Also eins vorweg: Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber wenn ich mir die beiden 1-Stern-Rezensionen ansehe wird mir schlecht.
Klar kann man das Album oder den Künstler nicht mögen, das ist der eigene Geschmack.
ABER!: Texte die nichts aussagen, null Rock und immergleiche Melodie ist musikalisch einfach vollkommen falsch. Keiner zwingt euch die Scheibe zu kaufen, also macht bitte keine Künstler ohne wirkliche Argumente schlecht.
So, nun aber zum Album selbst. :)
Mir gefällt es unglaublich gut, es ist bisher auf jeden Fall das beste Album von Thomas. Die Musik wirkt ehrlich und durchdacht, er singt komplett auf deutsch und hat sich nun endgültig und vollkommen hörbar vom DSDS Einheitsbrei getrennt, kehrt teilweise sogar zu seinen Wurzeln zurück. ("Meine Welt ist es nicht" aka "Still" und "Wenn ich geh" aka "Spuren")
Die Songs sind ein angenehmer Mix aus Rock und ruhigeren Tönen, die allerdings niemals seicht werden.
Nun die Songs noch in der Einzelkritik:
"Ein Tag im Leben eines Anderen": Ein Song, der sehr rockig ist und einen sehr aussagekräftigen Text hat, der sofort ins Ohr geht. Schafft den Spagat zwischen Ohrwurm und "Anti-Mainstream". 10/10
"Niemandsland": Eins der absoluten Highlights des Album. Ein gesellschaftskritischer Text gepaart mit rockigem Sound und unglaublicher Stimme, die unter die Haut geht. Für mich einer der tollsten deutschen Songs aller Zeiten.
10/10
"Meine Welt ist es nicht": Ein alter WINK-Klassiker, früher unter dem Namen "Still", nun neu eingespielt. Ich mochte die alte Version sehr, doch auch die neue weiß zu gefallen. Ein sehr sensibler Song über Depressionen, Traurigkeit und Einsamkeit, der trotzdem nie zu sentimental wird. 10/10
"Dächer einer ganzen Stadt": Die erste Single des Albums. Ich bin mir bis heute nicht richtig schlüssig. Am Anfang mochte ich den Song nicht so sehr, er brauchte sehr lange, doch am Ende hat er sich ins Herz gespielt. Der Text ist nicht einfach zu verstehen und lässt viele Interpretationsmöglichkeiten offen.
9/10
"Wir zählen die Tage": Ein eher ruhigerer Song über 2 unterschiedliche Menschen die Gefahr laufen sich auseinander zu leben und zu verlieren. Sehr guter Text mit einer angenehmen Melodie.
10/10
"Herzblut": Ein wieder rockigerer Song über Heimatsgefühle der ein absoluter Ohrwurm ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er die zweite Single wird, das Potential hat er. Was ihn keineswegs schlecht macht, im Gegenteil, er beweist dass Chartserfolg nicht heißen muss dass die Musik zu kurz kommt.
10/10
"Legendensommer": Dieser Song handelt von einem unvergesslichem Sommer den man gemeinsam mit seinen besten Freunden verbracht hat und der das Leben geprägt hat. Die Stimme kommt hier sehr gut zur Geltung, vor allem auch im etwas rockigeren Refrain, der Gänsehaut verursacht.
10/10
"Vermisst du nicht irgendwas?": Für mich das Highlight des Albums. (neben Niemandsland) Ein unglaublicher Text und Thomas' Stimme kommt in kaum einem anderen Song so gut zur Geltung. "Sag, warum lernen wir laufen, wenn wir laufen um zu gehen? Warum haben wir Tränen wenn wir Augen haben das vorrauszusehen? Warum können wir hören, wenn wir uns nicht mehr verstehen?" Diese Zeile setzt sich sofort im Kopf fest. Ein toller Song.
10/10
"So gewollt": Auch ein richtig toller Song, der klarstellt dass man nicht glücklich wird, wenn man sich ständig über sein Schicksal beschwert, dass das Leben nicht "Wünsch dir was" ist, dass jeder bekommt was er verdient und dass man aus dem was einem gegeben ist das beste machen soll. Der Text ist leichter zu verstehen als einige andere des Albums. Was der Atmosphäre des Liedes aber hilft, das in einem deftigen Gitarrensolo ausklingt.
10/10
"Wenn ich geh'": Der zweite WINK-Song auf dem Album. Ursprünglich hieß er "Spuren". Auch hier eine sehr gelungene Neueinspielung, wobei mir die ein oder andere Textzeile fehlt und Thomas mit seinen "Hey"s im Refrain etwas übertreibt.
9/10
"Abschließen können": Der Song macht Mut mit der Vergangenheit abzuschließen, nach vorne zu sehen und neu anzufangen. Die Melodie geht ins Ohr und der Text ist gewohnt aussagekräftig. Einer der ruhigsten Songs des Album, lediglich der Refrain legt ein ordentliches Tempo vor.
10/10
"Einen Regen lang": Ebenfalls eine Ballade, auch hier setzt der Refrain ein schnelleres Tempo an. Das Thema des Songs, Liebe/Freundschaft zweier Menschen, ist klar formuliert und die Umsetzung weiß zu gefallen.
10/10
"So weit so gut": Für mich der "schwächste" Song des Albums, Thomas schreit etwas viel und der Rhythmus ist komplex und gefällt nicht jedem. Trotzdem ein solider guter Song.
8/10
"Von allem etwas": Der Bonustrack ist eigentlich nicht neu, er war bereits Bonustrack des letzten Albums, liegt hier lediglich in anderer Instrumentalisierung und Aufmachung vor, die sich mehr an der Live-Version orientiert. Ich mag den Song sehr, er ist Live ein Publikumsliebling und setzt sich sofort im Ohr fest. Auch hier ist definitiv Singlepotential vorhanden, da der Song nicht schwierig zu verstehen ist und auch eindeutiger instrumentalisiert ist. Ein gelungener Abschluss eines sehr starken Albums.
10/10
Insgesamt gesehen ein richtig gutes Album eines der derzeit besten deutschen Künstler. Man merkt, dass Thomas sich gefunden hat und dass Label- und Managerwechsel ihm gut getan haben, ebenso dass er nun freie Hand bei seinen Songs hat, was teilweise auf dem letzten Album zu spüren war.
Auch dass es diesmal ausschließlich deutsche Songs sind passt. Sein Englisch ist nicht das beste und im Deutschen waren seine Songs schon immer ehrlicher und ausdrucksstärker.
Es war so gewollt...und ist rundum gelungen.
Weiter so, ich freue mich aufs Konzert im Dezember!