Filmbeginn. Ich muss im Himmel sein, schließlich habe ich gerade einen Engel gesehen. Eine bildschöne junge Asiatin stolziert im strahlend weißen Hosenanzug durch futuristisch anmutende Flure in das Büro eines Firmenchefs und offeriert ihm seelenruhig, dass sie gekommen ist, ihn zu töten. Was sich daraufhin abspielt, ist Ästhetik pur. Von einem bezaubernden Soundtrack unterlegt, wirbelt oder besser schwebt das edle Geschöpf elegant durch die Räumlichkeiten, Schüsse fallen, Glas splittert, der Atem stockt und innerhalb von sich genussvoll dehnenden Sekunden ist die Ankündigung erfüllt und das Opfer samt Wachen ausgeschaltet.
Wahrlich, vom Regisseur Corey Yuen habe ich bis dato schon so einiges an fürchterlichen Schrott über gesundes Mittelmaß bis zu brillantem Popcornkino gesehen, aber mit "So Close" hat er für mich sein persönliches Meisterwerk hingelegt. Die Geschichte ist so einfach, wie schnörkellos erzählt: Zwei Schwestern verdingen sich mit einer gesunden Arbeitsteilung als Attentäterinnen. Die ältere erledigt die bösen Buben, während die jüngere in die Überwachungssysteme eindringt und per Head-Set unschätzbare Fluchttip(p)s gibt. Als die Schwestern aus dem tödlichen Geschäft aussteigen wollen, geraten sie sowohl in das Visier ihrer Auftraggeber als auch in das einer geradezu bogarthaften Polizistin.
Meisterlich. Die Geschichte ist ein reiner Selbstläufer und funktioniert als Rahmenhandlung exzellent, wobei ich auf eine ambitionierte Geschichte auch gut verzichten kann, wenn der Film dermaßen rasant und stilsicher durch die Prärie prescht. Shu Qui und Vicky Zhao sind hinreißende hochtalentierte Darstellerinnen, die dem Film ihren ureigenen Stempel aufdrücken und mit ihrer natürlichen Darbietung den Film zu einem todschicken bestechend eingefangenen Anschaugenuss modellieren. Als geradezu atemberaubend erweisen sich ihre perfekt choreographierten High-Heel-Einlagen. Statt unrealistischer fliegender Mönche aus "Tiger and Dragons" wirbeln die Damen mit einer Eleganz durch die Luft, als würden sie einen Tanz auf höchsten Niveau aufführen. Wunderschön, knallhart, abwechslungsreich und garantiert nie langweilig. Trotz vieler dynamischer Actionszenen wird man dieser tödlichen Balletteinlagen nie überdrüssig, weil nebenher zahlreiche stille Szenen und emotional bewegende Momente sowohl zwischen den Schwestern als auch im Rahmen einer kleinen erfreulicherweise dezenten Lovestory gelungen inszeniert werden. "So Close" wäre aber nur halb so schön, wenn er nicht einen der schönsten Soundtracks ever bieten würde, der statt hämmernder Klänge harmonisch klangvolle Töne zelebriert und insbesondere die Kampfeinlagen zu bestechenden Kunstwerken emporstilisiert. Da bin ich gern geneigt, kleinere Lücken hoheitsvoll zu ignorieren.
Fazit:
Ein wahres Meisterwerk, das ich zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zähle. Immer wieder ein Genuss. Nicht zu fassen, dass ausgerechnet so eine Perle an Film aus den eher diffusen Hongkong-Schmieden hierher gefunden hat. Volle Empfehlung mit viiiel Chilifeuer!