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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der letzte Gangbang, 20. Juli 2009
Die alternde Pornodarstellerin Cassie Wright will es noch einmal wissen: Im größten Gangbang der Sexfilm-Geschichte soll sie von nicht weniger als 600 Männern nacheinander begattet werden. Während die ehemals sehr populäre Diva im Studio bereitliegt, stehen die zusammengecasteten Bettpartner in einem stinkenden Warteraum herum, in Unterhosen, und jeder trägt eine Nummer auf dem Oberarm. "Snuff" erzählt aus der Sicht der Nummern 72, 173 und 600 von der Wartezeit - an deren Ende vermutlich der Tod der Protagonistin stehen wird, denn 600 einminütige Sexszenen nacheinander überlebt man einfach nicht. Daher auch der Name des Buches: "Snuff"-Videos sind solche von echten Sterbeszenen, wobei der Zweck des Sterbens darin besteht, aufgezeichnet zu werden.
Nummer 72 glaubt von sich, der legendäre, seinerzeit zur Adoption freigegebene Sohn der Diva zu sein, Produkt eines Pornodrehs. 173 ist ein kürzlich geschasster Serienstar, die sich auf diese Art vom Vorwurf der latenten Homosexualität befreien und rehabilitieren will. Und Nummer 600 ist jener - inzwischen auch in die Jahre gekommene - Pornodarsteller, mit dem Cassie Wright viele Filme gedreht (und möglicherweise Nummer 72 gezeugt) hat. Ihm soll die Ehre zukommen, als letzter ins Studio zu gehen. Ganz egal, ob Wright zu diesem Zeitpunkt noch lebt oder schon nicht mehr.
Wer Palahniuk kennt, weiß, was er zu erwarten hat. Der kultige Autor geht schonungslos, amüsant und kenntnisreich zur Sache. Er erzählt lakonisch, originell und knallhart über diese seltsame Branche und ihre Eigenarten, über jene schmerzhaften Tricks, die auch bekannte Hollywoodstars angewendet haben, um das eigene Alter zu kaschieren und vor der Kamera schön und begehrenswert zu wirken. "Snuff" ist nicht nur ein Buch über die Pornoindustrie, sondern über die gesamte Illusionsmaschine Film, von der sie ein Teil ist.
Das ist kein Buch für zarte Gemüter. Die Story um das verloren geglaubte Kind der Porno-Queen hält es locker zusammen, aber dieser wilde, amüsante und auch erschreckende Roman zeichnet ein Bild von einer Tabuzone der Unterhaltungsindustrie, die verblüffend exemplarisch für das Ganze steht. Kurzweilig, knochentrocken, brutal, brillant.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Herrlich leichtfüßig, 5. September 2008
Snuff-Film (v. engl. to snuff out = jemand auslöschen/umbringen): Die Aufzeichnung eines Mordes, der mit kommerzieller Absicht zur Unterhaltung des Zuschauers begangen wurde. Der Zweck des Mordes selbst ist seine Aufzeichnung.
So steht es im Klappentext zum neuen Roman von Chuck Palahniuk, aber der Snuff-Moment" alleine ist zu langweilig", dachte der Autor sich vielleicht, da muss unbedingt noch ein Weltrekord Gangbang mit rein."
Und darum geht es dann auch: Die alternde Pornoqueen Cassie Wright nimmt an einem Gangbang mit 600 Männern teil, und Alle sind sich darüber im Klaren, dass sie diese Tortur wahrscheinlich nicht überleben wird.
Das letzte Mal als ich ein Buch als Drecksau" bezeichnet habe, handelte es dabei um Feuchtgebiete" von Charlotte Roché. Damals war der Ausdruck abwertend gemeint, bei diesem Buch verwende ich ihn mit einem Schmunzeln. Feuchtgebiete" ist Kinderkram im Gegensatz zu Snuff" - nicht weil Snuff" einfach nur härter" oder expliziter" wäre (was Snuff" aber auch definitiv ist) - sondern deswegen, weil ein ausgewachsener Koloss eines Schriftstellers sich dieses Themas bemächtigt.
Palahniuk hat wieder einmal das glanzvoll inszeniert, was die meisten Schriftsteller oft zu wenig auf sich nehmen: Recheierchen. Das Buch strotzt nur so vor Details und Hintergrundinformationen, von denen ich teilweise gar nichts wissen wollte, die er (Chuck) dem Leser aber mit einem Lächeln darbietet. Überhaupt ist das ganze Buch glänzend gelaunt; die Story erzählt sich fast von selbst.
Die Geschichte des Gangbangmordes" wird aus der Perspektive von 4 verschiedenen Personen erzählt, die alle im Vorraum der 600 Mannpornoproduktion warten. Da wäre zu einem der alternde Pornostar, ein junger Kerl (der glaubt, er sei der Sohn der Pornoqueen, der als Kind zur Adoption freigegeben wurde) und ein ehemaliger Seriendarsteller - diese drei warten mit den 600 Anderen auf ihren Einsatz" bei Cassie Wright. Dazu kommt noch die Perspektive von Cassies Assistentin, die die Darsteller" nach einem bestimmten System zur Produktion schickt und das Event" managet. Nach und nach wird aus der wirklich ekligen Pornofilmperspektive eine verschlungene, ja fast, altgriechische Groteske, die sich herrlich komisch über den amerikanischen Traum, Hollywood, den Ödipuskomplex und den nie erfolgten Selbstmord der Kaiserin Messalina auslässt.
Das Buch macht einfach Spaß. Ich habe nur mit einer kurzen Pause durchgelesen, ansonsten ging es runter wie Öl. Chuck unterhält nach seinen (für meiner Meinung nach) eher schwächere Büchern wieder fulminant - auch wieder mit einer Fight Club"-liken Wendung am Schluss. Zwar mag das Buch nichts für Klosterschülerinnen sein, aber alle Anderen sollten sich einen Tag lang einfach mal amüsieren.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Snuff" macht Spaß!, 24. Februar 2009
Die Geschichte spielt in einem ekligen, muffigen kellerartigen Warteraum, in dem sich 600 zum großteil nackte Männer befinden, die sich eigentlich nur mit ihren Nummern ansprechen, wenn sie sich denn überhaupt unterhalten, und auf ihren großen Auftritt im letzten Film der Pornolegende Cassie Wright warten.
Es stinkt, der Boden klebt aufgrund von Chips, Bräunungscreme und Schweiß. An den Wänden sind Fernseher angebracht auf denen die großen Erfolge der Mrs. Wright gezeigt werden, welche so tolle Titel tragen wie "World Whore One" oder "The Italian HandJob".
Irgendwann spricht sich herum, dass die Chancen für Cassie Wright den hier aufgestellten Rekord zu überleben äußerst gering sind. Warum tut sie sich das dann an?
Zur Rätsels Lösung könnte Sheila beitragen, Cassies Assistentin, die diese Aktion organisiert.
Oder Nr. 600, der Mann, der vor Jahren Cassie ins Business eingeführt hat und ihr seine größten Erfolge zu verdanken hat.
Und was macht Nr. 72 hier, dieser kleine Hänfling mit seinem Blumenstrauß?
Und was hat es mit dem Gerücht auf sich, Cassie Wright hat ein Kind?
Insgesamt vier Erzähler, oben genannte plus Nr. 137, wechseln sich ab, um dem Leser in das Geschehen in diesem Raum einblick zu verschaffen. Dieser Kunstgriff von Chuck Palahniuk gelingt sehr gut.
Das Tempo der Geschichte ist enorm, die knapp 200 Seiten lesen sich weg wie nichts. Er ist böse, explizit in der Spache, manchmal ekelhaft, aber immer gut und überraschend lustig. Die Geschichte hat viele kleine Wendungen, und oftmals denkt man, des Rätsels Lösung ist eindeutig, doch spätestens am Ende wird man noch einmal überrascht.
Am Rande der Geschichte verpackt Palahniuk noch so viele kleine Anekdoten nutzlosen Wissens, etwa über die Erfindung der Gummipuppe oder Hugh Hefners Mausoleumsnische, dass es eine wahre Freude ist.
Wer sich nicht vom Thema gefilmter Freitod durch Vaginalemboli aufgrund von Sex mit 600 Männern abschrecken lässt, der dürfte eine sehr unterhaltsame Zeit mit diesem Buch haben, welches sich tatsächlich zu der auf der Rückseite propagierten "wohl ungewöhnlichsten Familiengeschichte der letzten Jahre" mausert.
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