Auf so eine, im wahrsten Sinne des Wortes, abgefu--te Story konnte wirklich nur Chuck Palahniuk kommen. Wir befinden uns an Set eines Pornofilms. Die "Schauspiel"-Legende Cassie Wright hat sich vorgenommen, den Gang-Bang-Weltrekord zu brechen und den Beischlaf mit 600 Männern zu vollziehen - ohne Unterbrechung versteht sich. Keiner rechnet damit, dass sie diese Tortur überleben wird: "Up those stairs, to anybody after the fiftieth dude, Cassie Wright will look like a missile crater greased with vaseline. Flesh and blood, but like something's exploded inside her" (4). Die Geschichte findet statt im Warteraum des Sets, wo die 600 "Schauspieler" auf ihren Einsatz warten. Erzählt wird der Roman aus vier unterschiedlichen Perspektiven: Mr. 72, Mr. 137, Mr. 600 und Sheila, die für den reibungslosen organisatorischen Ablauf der Produktion verantwortlich ist.
So erfährt der Leser, was die Männer an das Set des Weltrekordbangs verschlagen hat. Mr. 72 hält sich für den Sohn von Cassie Wright und taucht mit einem Blumenstrauß am Set auf. Mr. 137 und Mr. 600 sind zwei typische Verliererexistenzen, die hoffen, aufgrund ihrer Beteiligung an dieser Produktion den Sprung ins richtige Filmgewerbe zu schaffen: "It can only take a moment [...] to waste the rest of your life..." (106) lautet ihr bisheriges Lebensfazit.
Palahniuks bisher neuester Roman (erschienen 2008) erreicht leider zu keinem Zeitpunkt die Klasse und Genialität seiner Vorgänger. Mit
Fight Club (1996) hat der amerikanische Autor eines der Meisterwerke des ausgehenden 20. Jahrhunderts geschaffen, dessen Brillanz von
Rant: The Oral History of Buster Casey (2007) stellenweise sogar noch übertroffen wurde. "Snuff" bietet zwar eine irgendwie vielversprechende Grundidee, aber mehr leider auch nicht. Diesmal schafft es Palahniuk nicht, die Einzelaspekte seines Romans zu einem Gesamtbild zusammenzufügen und den Leser mit seinen genialen Aphorismen und spektakulären Wendungen vom Hocker zu reißen. Die Plotentwicklung wirkt konstruiert und wenig überzeugend, so dass der Leser am Ende das Buch mit einem leisen Gefühl der Enttäuschung zuklappt.
Fazit: Trotz dieser Enttäuschung bleibt Palahniuk für mich einer der besten Autoren unserer Zeit. Keiner ist so hart, brutal, zynisch und in seiner Analyse unserer Konsumkultur zutreffender als er. Bereits für dieses Jahr hat Palahniuk einen neuen Roman in Aussicht gestellt, mit dem er dann hoffentlich wieder zu alter Stärke zurückfinden wird.