Nun ist es also da, das lang erwartete neue Redemption Album. Es heißt Snowfall on Judgment Day, hat eine Spielzeit von über siebzig Minuten und klang durch die im In-ternet bereits vorgeführten Soundschnipsel recht viel versprechend. Doch wie präsen-tiert sich der Silberling in seiner vollen Länge? - Es ist müßig zu erwähnen, dass bei dieser Band erstklassige Könner an den Instrumenten am Werk sind und das Ray Alder (Fates Warning, Engine) ein Goldkehlchen hat. Dem entsprechend positiv bin ich an die Scheibe herangegangen. Um nun nicht weiter um den heißen Brei herum zu reden, das Album ist der Hammer!
Doch nun zu den Einzelheiten. Schon die beiden Vorgängerwerke Fullness of Time und The Origins of Ruin sind eine formidable Mischung aus Komplexität, Härte und zau-berhaften Melodien. Snowfall setzt diesen Trend fort, ohne dabei groß zu überraschen. Veränderungen findet man eher im Detail. Die Keyboards klingen durch den neuen Tat-senmann moderner und abwechslungsreicher. Immer wieder streuen sie kleine Farbtup-fer in das Riffgewitter der beiden Gitaristen. Die Rythmusfraktion war auch auf den Vorgängern schon erste Sahne und bestätigt auf Snowfall das gezeigte Können aus der Vergangenheit. Und dennoch ist das neue Album eine ganze Ecke reifer ausgefallen als seine Vorgänger. Das Riffing klingt moderner, die Keyboards setzen gekonnt Akzente, die Melodien und Hooklines wirken noch komprimierter und gezielter eingesetzt und Ray Alder bringt gesangstechnisch den ein oder anderen Progmetal Sänger gehörig ins schwitzen. Insgesamt ist Snowfall einen zacken härter ausgefallen als seine Vorgänger, ohne jedoch die typischen Redemption Trademarks zu vernachlässigen - die Melange aus Komplexität, Eingängigkeit und Härte.
Das Album beginnt mit dem Riffgewitter Peel, in dem Ray Alder überraschend hart singt und welches mit schönen Soli aufwartet. Es folgt Walls mit einer tollen Hookline und einem dezenteren Riffing um den Hörer vor der Riffmaschine Leviathan Rising eine Verschnaufpause zu gönnen. Hier wird das Gaspedal gehörig durchgetreten und keine Gefangenen gemacht. Der vierte Track, Black and White World ist ein acht Minu-ten Epos, welches zu keiner Sekunde langweilig oder abgedroschen klingt. Ray sing hier wunderbar, getragen wird das Lied von schönen Pianoklängen. Ein absolutets Highlight der Scheibe. Diesem Longtrack folgt wieder eine härtere Nummer namens Unformed. Diese wirkt zunächst etwas sperrig, eröffnet seine Qualitäten aber nach mehrmaligen Hören. Danach beginnt es ruhig. Keep Breathing besitzt einen schönen Spannungsbogen und entwickelt sich zu einen richtig heavy klingenden Track. Die Ly-rics hier sind besonders schön und melancholisch. Wieder ein unglaublicher Hammer. Bei Another Day Dies handelt es sich um einen recht kurzweiligen Track, welcher ge-tragen wird durch das Duell Ray Alder/James LaBrie (Dream Theater), wobei mir im direkten vergleich die Stimme Rays doch besser gefällt. Ansonsten bietet das Lied nicht viel herausragendes, ohne es jedoch abwerten zu wollen. Ein weiterer Höhepunkt des Albums ist What will you Say. Der Song lebt vom grandiosen Chorus, welcher sofort im Ohr hängen bleibt. Klasse! Darüber hinaus wird der Song geprägt von schönen Me-lodien und einen schönen Gitarrensolo. Nach What will you Say wird das Gaspedal wieder tief durchgetreten. Das Riffmonster Fistful of Sand läutet zum Showdown ein und bläst den Hörer noch mal richtig durcheinander. Diese heavyness steht den Jungs recht gut! Beendet wird Snowfall on Judgmentday mit dem elf Minuten Brocken Love Kills us All/Life in one day. Hier zieht man abschließend erneut alle Register. Dieses Lied ist ein würdiger Abschluss für ein gelungenes Album. Hier stimmt einfach alles! Melodien, Spannungsbogen, Riffs, Synthies, Stimmung, sind hier einfach nur genial. Jedem, der nur ansatzweise etwas von gutem Metal versteht, ist ans Herz zu legen, sich dieses Album zu kaufen.
Ich für meinen Teil hoffe inständig, dass es diese grandiose Band auch in Zukunft noch geben wird, denn der Hauptsongwriter und Bandchef Nick van Dyk ist an einer sehr aggressiven Form von Blutkrebs erkrankt, welche ihm nur sehr niedrige Überlebenschancen prognostiziert. Daher drücke ich Nick alle Daumen, dass er diese Dämonen besiegt und weiterhin solch berührende und einfühlsame Musik schreibt, denn das sind die Songs von Redemption trotz ihrer Härte! Danke Nick, Bernie, Ray, Sean, Chris und Greg für so tolle Musik.
Get well soon, Nick! Best wishes!