... dass haben u.a. schon Kims Kollegen von Duran Duran mit ihrem 95er Album
Thank you erfahren müssen, obwohl jenes Projekt vielleicht noch ambitionierter als "Snapshots" angelegt war. Dass aber mehr oder weniger einfach nur Nachsingen/Nachspielen auch zu durchaus interessanten Resultaten führen kann, haben Spandau-Ballet-Sänger Tony Hadley (
True Ballads, u.a. auch mit "Wonderful Life"!) oder Limahl (
Limahl) vorgeführt. Letzterer spielte einige Songs aus der Kaja-Googoo-Ära nach ihm ein, die klingen, als ob er nie als Sänger dort ausgestiegen wäre.
Zurück zu "Snapshots". Nach dem Mittelteil des Booklets zu urteilen, wurde der Album-Titel wohl durch die vielen eingesandten Bilder im Rahmen des "Fan Contest 2011" inspiriert. Über das Wieso und Warum der vorliegenden Aufnahmen gibt Kim dann zunächst allgemein kurz und klar Auskunft (in Englisch). Weiter geht's dann im Booklet sogar in Deutsch mit je ein paar Gedanken zu den einzelnen Titeln (zu hören/zu sehen original in Englisch auf ihrer Website oder bei Youtube, "Track By Track"). Schließlich, dass sei nebenbei bemerkt, scheint Snapshots speziell für den deutschen Markt produziert worden zu sein und nur bei SATURN gibt es eine CD-Ausgabe mit dem Bonus-Titel "Forever Young" (Original von Alphaville). Einen anderen Bonus-Track gibt's nur bei iTunes: "I'll Stand By You" (Original von den Pretenders). Für den normalen Fan bzw. Käufer wäre es sicher schön gewesen, wenn beide Titel auch auf der normalen CD-Ausgabe zu finden wären, was technisch ohne weiteres möglich gewesen wäre ... aber die Entscheidungen in den Marketingabteilungen der Musikindustrie sind manchmal schwer nachvollziehbar.
Für mich persönlich stellt "Snapshots" in seiner Qualität eine Steigerung (wenn auch nur eine kleine) im Vergleich zu den beiden vorherigen Alben der aktuellen Comeback-Phase ("Never Say Never" u. "Come Out And Play") dar, kommt aber nicht ganz an Kims klassiche Alben der 80er heran. Dass sie mit Coverversionen Erfolg haben kann, zeigte Kim schon mit dem Beegees-Cover "If I Can't Have You" und vor allem natürlich "You Keep Me Hangin' On". Da scheute sie sich allerdings nicht, den Songs ein vollkommen neues Gesicht zu geben, gerade auch in der Instrumentierung. Auf Snapshots gibt sie sich in dieser Hinsicht etwas zurückhaltender, was ja schon von vielen Rezensenten bemängelt wurde. Ich würde aber nicht soweit gehen, hier von Belanglosigkeit oder Billigproduktion zu sprechen. Man kann es enttäuschend finden, wenn "Sleeping Sattellite" sich vom Original kaum unterscheiden lässt - der Song an sich ist aber natürlich so toll (ist mein Lieblingshit der 90er), dass es mich nicht sonderlich stört. Zumindest von den Songs, die ich im Original kenne, scheinen The Cure's "In Between Days" und "A Little Respect" (obwohl laut Fans dieser Song in Konzerten immer gut ankam) in Kims Umsetzung wirklich kaum gelungen, der Rest dagegen kann sich wirklich hören lassen! Das absolute Highlight ist für mich "Ever Fallen in Love", im Original von den Buzzcocks eingespielt. Auch der Opener "It's Alright" gewinnt beträchtlich, vielleicht auch weil die Originalversion für mich damals mehr oder weniger uninteressant war. Die an manchen Stellen eigenwillige Titelauswahl wird auf jeden Fall mittels der Erklärungen im Booklet verständlich. Vielleicht war die schon wegen der beschränkten Titelzahl auf CD vorgenomme Auswahl nicht immer glücklich in den Augen der Fans, was am Beispiel "A Little Respect" deutlich wird: offensichtlich kam es stellvertretend für alle Vince-Clark-Projekte (also auch Yazoo, Depeche Mode) auf die Platte. Viele hätten sich da lieber "Enjoy The Silence" gewünscht. Anstelle eines Songs der Sugababes, die ja selbst mit einem Gary-Numan/Adina-Howard-Mash-Up ("Freak like me") DEN Cover-Hit des vergangenen Jahrzehnts abgeliefert haben, wäre sicher auch ein Bananarama-Cover eine gute Alternative gewesen (stellvertetend für die Abteilung British Girl Groups).
Eine posthume Ehrung erfährt Kirsty MacColl mit der Aufnahme von "They Don't Know" und vielen Zeilen im Booklet. Ergänzend sei erwähnt, dass Kirstys Version wegen Streiks und anderem Ungemach Ende der 70er kein Bestseller in den Charts wurde, allerdings ein respektabler Radio-Airplay-Hit in England war. Bei uns erinnert man sich eher an die 83er Hit-Version von Tracey Ullman. Stilistisch etwas deplaziert wirkt das Bowie-Cover "Kooks", was mit akustischer Gitarre und vor allem mit dem Duettpartner Hal Fowler (Kim Wildes Ehemann!) daherkommt.
Für die Doppel-A-Seiten-Single-Auskopplungen "It's Alright" und "Sleeping Sattelite" wurden jeweils zwei ansprechende, allerdings nicht überteuerte Videoclips gedreht. Zugegebenerweise nicht jedermanns Geschmack bei den heutzutage zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Computeranimation usw., aber wie andere Rezensenten beispielsweise von lächerlich gefaketen Metal-Typen an der Gitarre in den Videos zu sprechen, geht dann doch zu weit, vor allem, wenn es sich dabei um den verdienstvollen Nick Beggs (Kaja Googoo, Ellis Beggs & Howard) handelt. Den hätte ich so gern in der Band wie der FC Bayern einen Ribery oder Robben in der Mannschaft. Auf der CD scheint er allerdings nicht mitgespielt zu haben - im Booklet werden im Kleingedruckten neben der "Familie" "nur" einige mir unbekannte deutsche Musiker aufgeführt. Nichts dagegen, aber wenn sich Englands Musiker-Elite in Kims Küche versammelt hätte (also Nick usw.), wären sicherlich noch eindrucksvollere Aufnahmen entstanden. So aber ordnet sich alles Kims Stimme unter und ergibt alles in allem ein "typisches" Kim-Wilde-Album (vor allem, wenn man die Originale nicht kennen würde) mit vereinzelten Synth-Einlagen und gewissem 80er-Jahre-Retro-Faktor. Gerade noch 4 Sterne (wenn's ginge, 3,7 bis 3,8), aber immerhin - Kim Wilde ist hier ein interessantes Wagnis eingegangen, dafür Respekt!