Und das gilt nicht nur für die Musik, die sich Kitty, Daisy & Lewis aus Country, Rock'n Roll, Swing, Jazz, Ska und Blues zusammenschustern, sondern auch für die Zuhörer. Ohne Musiker wie die drei Geschwister Kitty, Daisy und Lewis Durham aus einem Londoner Vorort, würden viele junge Musikfans nicht mitbekommen, wie schon in den 40er und 50er Jahren Musik auf dem Markt war, die noch heute topaktuell und mitreißend ist. Eingespielt im analogen Stil, mit vielen Litern Herzblut, einem Wahnsinnsrhythmus und jeder Menge Seele, kommen die 13 Songs von -Smoking in Heaven- wie gute alte Freunde aus einer anderen Zeit aus den Boxen gerauscht.
Ob Mundharmonika, Ukulele, Gitarre, Trompete, Posaune, Schlagzeug, Orgel, Akkordeon oder Kontrabass, bei Kitty, Daisy & Lewis wird alles zum Einsatz gebracht, was Töne produziert. Das kann, wie bei -I'm coming home- und -Don't make a fool out of me- gesanglich von Lewis dargeboten werden. Es geht aber auch komplett instrumental, wie -Paan Man Boogie- oder -Smoking in Heaven- zeigen. Wobei gerade letzters Stück exemplarisch für die unglaubliche Bandbreite und Musikalität der Geschwister Durham steht.
Am besten gefällt mir jedoch, wenn Kitty oder/und Daisy die schmissigen Songs singen. Da wird gejuchzt, geschrien, gefaucht und kratzig gegurrt. Das Ganze mit wild geschrammelten Instrumenten unterstützt und schlussendlich mit dem Schlagzeugbesen umgerührt. Wen das kalt lässt, der hat entweder einen komplett anderen Musikgeschmack oder ihm/ihr ist(leider) nicht mehr zu helfen.
Meine Anspieltipps: -Messing with my life- von einer Gitarre unterstützt, die George Benson oder B.B. King spielen könnte, ist musikalischer Stoff vom Allerfeinsten. Da bleibt kein Fuß ruhig und die Hände klatschen im Rhytmus. -You'll be sorry- hat einen Sound als würden die Verstärkeranlagen im guten, alten Nashville mit Starkstrom betrieben. Da klingen die Briten wie Südstaatler, die dem Country neues Leben einhauchen. Der Opener -Tomorrow- versprüht einen unglaublichen Charme von Ska und Swing. Ein grandioser Beginn für ein Klasse-Album. Bei -Will I ever- zeigen Kitty, Daisy & Lewis, dass sie auch mit geringer Instrumentenunterstützung vollständig überzeugen können. Eine Triangel plus Stimme und Gitarrenriff; mehr braucht es nicht zum glücklich sein. -I'm going back- mit rauer Stimme ins Mikro gesungen, ist so tanzbar, wie es nur geht. Bombastisch! Bleibt noch -I'm sorry-. Typisch für Kitty, Daisy & Lewis. Crossover ohne wenn und aber, rhythmisch brilliant, für's Mitsingen geschrieben.
Nach drei Jahren Albumpause ist Kitty, Daisy & Lewis mit -Smoking in Heaven- ein ganz großer Wurf gelungen. Ohne sich um irgendeine Musikform, festgeschriebene Stilrichtungen oder eingekastelte Rhythmustabellen zu kümmern, haben die Geschwister Durham mit der Musik, im allerschönsten Sinn des Wortes, gespielt. Heraus gekommen ist eine Zeitreise zum Anhören. Ganz großes Kino für die Ohren. Hörens- und empfehlenswert!