Babara Ehrenreichs neuestes Werk legt wieder einmal den Finger in die offene Wunde unserer Gesellschaft. Dieses Mal räumt die Autorin mit der schon unerträglich pseudo-positiven Mentalität auf, in jedem noch so schlimmen Schicksalsschlag ein Gottesgeschenk (oder für Esoteriker ein Geschenk des Kosmos) zu sein.
Dieses Dauergrinsen, besonders ausgeprägt in den USA, aber auch immer stärker in "good old Europe" steht nämlich, wie die Autorin hinweist, im krassen Gegensatz zur Wirklichkeit. Ehrenreich beginnt mit einer persönlichen Geschichte über ihre eigene Krebserkrankung, in der man ihr sogar geraten hat, den Krebs zu umarmen (!), ihr fast diktatorisch vorgeschrieben hat, wie sie sich fühlen sollte.
Welche fatalen Folgen diese falsche positive Denken hat, zeigt Ehrenreich anhand verschiedener Einzelbeispiele in mehreren Kapiteln, die Gesellschaftsstruktur, Wirtschaft, das Wohlstandsevangelium (prosperity gospel) der sogenannten Mega-Churches, oder sogar den Militäreinsatz in Afghanistan behandeln. So sind die Verletztenraten im Kampfgebiet auch deswegen so hoch, weil die Soldaten mit ihrem positiven Denken geradezu fahrlässig mit der eigenen Sicherheit umgehen.
Dementsprechend wird auch jede Kritik unterbunden, weil sie ja negativ klingt. Ein Manager der Lehmann Bank warnte vor den Gefahren der Immobilien-Zertifikate, schwupps wurde er gefeuert, da er keine positive Botschaft vermittelte. Die Folgen, auch für Lehmann sind bekannt. Ein falsches positives Denken führt zu einer Trägheit und Stagnation, ein gewisses Maß an Unzufriedenheit hingegen motiviert dazu, die Umstände zu verändern. Ehrenreichs Buch konzentriert sich auf die USA, wo diese Mentalität am Stärksten ausgebreitet ist. Bleibt nur zu hoffen, dass sie damit ein wenig aufrütteln konnte, damit wieder eine gesunde Balance in unsere Sichtweise einkehrt.