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Die Geschichte war auch zu schön, um wahr zu sein: "24-jährige bringt per Webcast 21 Shows aus ihrem Londoner Kellerzimmer in's Internet, Fangemeinde wächst dramatisch, Plattenvertrag - Star. Anscheinend ist dies im Fall Sandi Thom aber eine PR-Kampagne, mit der die Musikindustrie beweist, dass sie das Net als Marketinginstrument zwar wahrnimmt, aber noch immer glaubt, es kontrollieren zu können" (Handelsblatt). Mittlerweile hat sich nämlich herausgestellt, dass hinter der märchenhaften Karriere des mittellosen' Twens, welcher in einem Gospelchor gesungen und sowohl als Keyboarderin/Vocalistin mit einer Coverband als auch Straßenmusikerin getingelt war, der schwerreiche schottische Ex-Reeder Angus Sinclair als Entdecker und Förderer steckt. Die berüchtigte Promotion-Firma Quite Great (Mariah Carey, Chris Rea) hat die effektive Marketingstrategie konzipiert, deren Medien-Hype 2006 für Sandi Thom einen Ein-Millionen-Pfund-Deal über fünf Alben nach sich zog, gekrönt vom ersten Platz in den britischen Single-Charts. Dieser Hit, I Wish I Was A Punk-Rocker (With Flowers In My Hair) ist auch auf ihrem Debüt enthalten.
Stilistisch schlägt die Musikerin, welche Bob Dylan, Jeff Buckley, Carole King, Aretha Franklin sowie Stevie Wonder bewundert, bei den zehn Eigenkompositionen (mit knappen 32 Minuten Gesamtspieldauer!) einen Bogen von Folkpop bis Rhythm'n'Blues - stets handgemacht und meistens minimalistisch arrangiert. Das ist nichts Neues, aber das Altbekannte solide aufbereitet und bisweilen wie bei "Sunset Borderline" durchaus überdurchschnittlich, wenngleich Sandis Vorliebe für hohen, stimmlich leider dünnen Gesang auf Dauer eintönig klingt. "Es genügt natürlich nicht, sich auf gute Musik allein zu verlassen", betonte Louise Harris von Quite Great in einem Interview. "Künstler ohne Vertrag müssen zu einem Gesprächsthema aufgebaut werden". Diese Schottin hatte, im Gegensatz zu vielen anderen Kolleginnen, eben das Glück, dass sie geschickt vermarktet worden ist.
Sandi Thoms vermeintlich ach so wundersamer Werdegang hat allerdings einen seltsamen Beigeschmack und entbehrt auch einer gewissen Ironie nicht. Einerseits wird Konsumenten durch die geschilderte PR-Kampagne vorgegaukelt, dass selbst heutzutage der Aufstieg `vom Tellerwäsche zum Millionär` noch möglich ist. Andererseits ist ihr erster Top-Hit das Klagelied einer Technik-Skeptikerin, die sich jene Zeit zurückwünscht, "als" - Textzitat - "Musik noch wirklich etwas bedeutete und Radio das Größte war, Computer immer noch Angst einflößten und wir nicht alles wussten!" In ihrem Fall wäre ohne PC und Net jedoch gar nichts passiert! Thomas Hammerl
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