Bedrich Smetana (1824 - 1864)
Streichquartett Nr. 1 e-moll "Aus meinem Leben";
Streichquartett No. 2 d-moll
Z domoviny (Aus meiner Heimat) - zwei Stücke für Violine und Klavier
Ausführende: Moyzes-Quartett (Stanislav Mucha, Frantisek Török, Alexander Lakatos, Jan Slovik) - Streichquartette; Takako Nishizaki, Violine, Tatiana Fránova, Klavier - Aus meiner Heimat.
Aufgenommen im Januar 1990 (Streichquartette) und im Juni 1990 (Aus meiner Heimat) in Bratislava, Slowakei.
Erstveröffentlichung 1991 als Naxos 8.550379. Gesamtspieldauer: ca. 61 Minuten.
Wer Smetanas "Ma Vlast" und seine Oper "Die gekaufte Braut" kennt, wird ihn möglicherweise von einer anderen, kammermusikalischen Seite kennen lernen wollen. Das macht Naxos - wie immer zum Schnäppchenpreis! - mit dieser feinen CD möglich, die drei Werke aus den letzten Jahren des Komponisten enthält, aus einer Zeit also, in der er nicht nur ertaubte, sondern langsam einer zerrüttenden geistigen Krankheit erlag. Das erste Streichquartett ist bewusst autobiographisch gehalten, wobei es eher um Stimmungen und Gefühle geht als um Geschichtchen. Faszinierend die Kombination aus vorwärtsdrängender Neugier und Lebenslust einerseits, herber Trauer und Enttäuschung andererseits. Im letzten Satz hört man, wenn das "Vivace", das wohl Freude am musikalischen Schaffen ausdrückt, plötzlich aufhört, einen hohen, piepsigen Ton, mit dem Smetana seinen Tinnitus verewigen wollte. Danach fällt der Satz völlig in sich zusammen und schließt im kaum hörbaren "piano", eine recht pessimistische Prognose, die sich leider bewahrheiten sollte.
Das zweite Quartett ist kürzer und entstand zu einer Zeit kurz vor Smetanas vorzeitigem Tod, als er sich kaum auf das Arbeiten konzentrieren konnte. Vielleicht ist es deshalb zu erwarten, dass die musikalischen Einfälle etwas ruckartig aufeinander folgen. Der zweite Satz, "Allegro moderato" überschrieben, ist voller zarter Lyrik, ansonsten bleibt die Musik nicht nur verhältnismäßig schnell, sondern auch recht herb - und bahnt so vielleicht den Weg zu den späteren, gleichermaßen herben Streichquartetten Janaceks.
Die zwischen beiden Werken und etwa zur gleichen Zeit wie "Ma Vlást" entstandenen Duos für Violine und Klavier sind von böhmisch klingenden Tanzmelodien sowie von zart-lyrischer Melancholie durchzogen und stellen einen angenehmen Kontrast zu den vorangegangenen, recht anstrengenden Streichquartetten dar, die sie nicht so sehr ergänzen, sondern vielleicht eher ausbalancieren, wenn es um unser Bild des Komponisten Smetana geht.
Obwohl ich mir sehr wohl eine andere Akustik als in den Räumen der Slowakischen Philharmonie bzw. des Slowakischen Rundfunks und vielleicht auch eine noch etwas bessere Tontechnik vorstellen könnte, bleibt festzuhalten, dass die hier aufgenommenen Kräfte sehr engagiert und mit musikalischen Gespür für Smetanas Aussagen zu Werke gehen. Als "Kennenlern-Gelegenheit" durchaus zu empfehlen!