...sondern durchaus durchdacht legen die Grindcore-Pioniere aus Birmingham ihr neues Album Smear Campaign über Century Media vor. Im Vorfeld stand schon die Frage im Raum, wie sie solch ein starkes Album wie das letztjährige The Code is Red, Long Live the Code noch toppen könnten.
Tja, meiner Meinung haben sich das nicht, und daher gibt es auch "nur" vier Punkte, aber dass das noch lange nicht schlecht sein muss, sollte auch klar sein. Immerhin haben sie mit dem neuen Album kein The Code is Red Teil II abgeliefert und alles auf Nummer Sicher gemacht - denn das wäre einfach nur langweilig gewesen. Gut, Napalm Death stehen jetzt wirklich nicht für die absolute Innovation ihrer Musik, aber warum sollten sie das auch? Sie machen das, was sie machen, absolut solide, sind live eine absolute Macht, haben was in der Birne, schreiben intelligente Texte, die oft sozialkritisch sind, und haben sich, nach einer doch ziemlichen Durststrecke mit mittelmäßigen Veröffentlichungen Mitte der Neunziger, wohl auch bedingt durch die damals sehr angespannte Situation im Bandgefüge, mit einigen starken Veröffentlichungen wieder zurückgemeldet, um zu zeigen, wo der Hammer hängt.
War schon Enemy of the Music Business ein absolutes Brett, war Order of the Leech nicht minder stark, und auch The Code is Red war eine konstante qualitative Weiterentwicklung, die aufhorchen liess. Meiner Meinung nach ist und bleibt The Code is Red stärker als der neue Output, da mir Smear Campaign bei aller Aggressivität und erhöhtem Tempo doch etwas uninspiriert daherkommt, zumindest teilweise, allein was die Riffs betrifft. Denn Geknüppel nur um des Geknüppels Willen ist etwas uninteressant (auch wenn klar, dass sie jetzt sicher kein Doom-Album aufnehmen würden...).
Wie gesagt, sie prügeln drauflos, Barney brüllt wie immer, alles ist sehr präzise eingespielt, die Instrumente sind schön klar heraus zu hören - aber wirklich große Überraschungen sind nicht dabei.
Heraus sticht In Deference mit Anneke von The Gathering, die man so auf Anhieb auch gar nicht erkennen muss, die aber das Lied definitiv bereichert, und mir auch lieber ist als Jello Biafras Beitrag auf der letzten Scheibe; man möge mich dafür steinigen und Kult hin oder her, aber ich fand's nervig und unpassend im Song.
Auch das Intro ist zwar etwas ungewöhnlich am Anfang, fast schon symphonisch Richtung Black Metal schielend, aber passt doch gut in das Gefüge der Lieder. Und wer hier von Gothic redet: Leute, ich weiss nicht, welche CD ihr im Player hattet. Das gilt auch für Atheist Runt (Bonus auf der Digi), in das man sich anfangs etwas hineinhören muss, das aber schlichtweg gut und intensiv ist. Halt auf andere Art und Weise, und eben nicht Hyperspeedgeknüppel. Und wer an Our Pain is Their Power von The Code is Red oder noch an Contemptuous von der selig-göttlichen Utopia Banished denkt, der wird feststellen, dass diese Aspekte schon immer ein Bestandteil von Napalm Death waren, die selbst auch oft und gerne betonen, wie sehr sie von den Swans beeinflusst sind, und dies dann eben in diesen Intros und Outros zeigen, ebenso wie beim Titeltrack Smear Campaign. Und da Grindcore an sich meiner Meinung von sich aus eine arg limitierende Musikrichtung ist, in der man aufgrund der Geschwindigkeit (wortwörtlich) schnell, aber nicht zwingend, bald nichts mehr zu sagen haben könnte, da sind doch eben solche Geschichten eine gute Auflockerung, oder? Und wenn, dann ließe sich das eher in die Industrial- oder Dark Ambient-Ecke packen, mit Gothic hat das aber rein gar nichts zu tun.
Übrigens lohnt sich auch der zweite Bonus Track Call that an Option? absolut, genauso wie auf The Code is Red der Bonus Losers auch ein starker Track war.
Also, lange Rede, kurzer Sinn. Ein weiteres starkes Album der Briten (und US-Amerikaner), das die erfolgreiche Richtung der letzten Erscheinungen überzeugend untermauert. Mir rauscht das Album nur leider ein wenig zu farblos an mir vorüber, vielleicht auch weil beim Vorgänger mit Instruments of Persuasion, dem Titeltrack und All Hail the Grey Dawn einfach ein paar absolute 'Hits' (für eine Grind-Death-Band wohlgemerkt) zu finden waren, die hier weniger zu finden sind. Aber keine Bange: Das Album ist insgesamt gut und auf gleichbleibendem (hohen) Niveau (auch die textliche Thematik ist sehr interessant und gut aufbereitet; optisch ist das auch alles sehr gut verpackt und schlüssig... Vielleicht erinnert den einen oder anderen das Coverartwork an das Life?-T-Shirt?), aber es stechen eben keine "Hits" hervor. Schlecht ist sie deshalb beileibe nicht, aber deswegen gibt es auch nicht die volle Punktzahl, denn da ist noch Platz nach oben offen...
PS: Und auf keinen Fall ND auf der anstehenden Tour im November versäumen (auf der Suffocation - leider leider!! - eben nicht Vorgruppe sind. Die sind zur selben Zeit in USA auf Tour und wussten von nichts, sprich, ein Promoter hat da einiges falsch gemacht und die hier überall angekündigt...)!!!!