Mit ihrem letzten Roman erzählt die grosse Patricia Highsmith eine Geschichte rund um ein Szenelokal in Zürich. Eine Gruppe von eigenwilligen Charakteren trifft sich und verbringt zusammen eine Sommeridylle, die ihre Leben verändern wird…
Wer kennt es nicht, das Gefühl, wenn es wieder Sommer wird in der Stadt. Den ganzen Tag strahlendes Wetter, ein Mittagessen am See und am Abend eine heisse Party um danach erschöpft der lauen Sommernacht in einen süssen Traum zu entfliehen. Was Joe Cocker mit seinem berühmten „Summer in the City“ so umschreibt: “go out and find a girl, come on come on and dance all night, despite the heat it will be alright and babe don't you know it's a pity the days can't be like the night in the summer in the city…”, heisst bei Patricia Highsmith ganz einfach: “Small g – eine Sommeridylle”.
Szenelokal “Small g”
Der Roman spielt in der Schwulenstadt Nummer eins der Schweiz, in Zürich. Ricky, ein schwuler Werbeillustrator und –grafiker, ist ständig unterwegs. Nicht von seiner Seite weicht Lulu, seine Hündin. Zu zweit zieht es die beiden immer wieder zu „Jakob“, wie das „small g“ unter der Woche bürgerlich heisst. „Small g“ ist ein Szeneort und Anziehungspunk verschiedener Persönlichkeiten, meist homosexuell, manchmal au bi oder hetero. Eines Tages erscheint die niedliche, aufregend-zärtlich und hübsche Luisa im „Jakob“. Zusammen mit ihrer Ersatzmutter und Lehrmeisterin Renate frühstückt sie jeweils im Lokal und lernt so Ricky kennen. Dieser steht Luisa, die erst vor kurzem nach Zürich kam, um ihre Lehre zu beenden, als Freund zur Seite, als die alte Renate sie terrorisiert und vor Eifersucht am Abend nicht aus dem Haus lässt. Luisa lernt Teddie und Dorrie kennen – beide verlieben sich in sie, die diese Beziehungen nicht so ernst nimmt und am Schluss der Geschichte sich nicht ganz sicher ist, ob sie nun Frauen oder Männer liebt.
Die gestörte Sommeridylle
„Small g“ ist nicht nur ein Roman, es ist ein Buch, das Lebensgefühle vermittelt. Die Geschichte ist zugleich der letzte von Patricia Highsmith publizierte Roman. Wer die „grande dame“ kennt, weiss, dass Liebe für sie nicht die Vollendung der Gefühle und des Glücklichseins zwischen zwei Personen ist. Liebe ist für sie den Anfang einer Tragödie in die Abgründe der menschlichen Seele, in der sich ihre Protagonisten nicht mehr zu Recht finden und nur mit kriminellen Mitteln einen Ausweg finden, um ihr zu entfliehen. Wer jedoch bei „Small g“ eine solche dramatische Wende erhofft, liegt falsch. Die Sommeridylle im Roman ist von Dauer und zieht sich durch die ganze Geschichte. Obwohl die Erzählung mit einem Mord beginnt, ist es eigentlich ein Roman über Leidenschaft und in diesem Fall nicht mit Betonung auf «Leiden». In ihrem Werk reflektiert Patricia Highsmith mit einem Plädoyer unsere Einstellung gegenüber Andersdenkenden für Toleranz und Solidarität.
Zuerst abgelehnt, nun neu übersetzt
"'Small g'" wurde vom Verlag Alfred Knopf, New York, abgelehnt und erst posthum 1995 bei Bloomsbury Publishing Plc, London, sowie im Verlag Diogenes, Zürich, veröffentlicht. Der Roman ist Teil der Diogenes-Neuübersetzungen der Werke von Patricia Highsmith und wird abgerundet mit einem informativen Nachwort von Paul Ingendaay.