Brian Eno führt musikalisch mindestens drei Leben. Er produziert Musiker, davon seien hier mit den Talkings Heads, David Bowie, U2 und Coldplay nur einige hervorgehoben, er schafft Sound für kommerziellen Gebrauch, wie für Windows 95 und Nokia-Mobiltelefone. Und er macht eigene Musik bzw. kollaboriert dafür mit anderen Musikern und Komponisten. Ich selbst mag seine Ambient-Scheiben am liebsten, besonders "On Land", "Apollo" und "The Plateux Of Mirrors", aber auch die legendäre "Another Green World". Damit möchte ich nicht nur Vergangenes aufzählen, denn mir hat auch "The Equatorial Stars" gefallen. Diese Alben bestechen durch ihre unaufdringliche Ruhe. Die minimalistische Produktion lässt Raum für Atmosphäre und wirkt nie kitschig oder billig.
Mit "Small Craft On A Milk Sea" begibt sich Eno erneut auf den Ambient-Pfad und doch wieder nicht. Denn erinnert "Emerald And Lime" sehr an die alten Ambient-Klänge, so sind wir spätestens ab "Flint March" im Elektronik-Pop. Der Übergang könnte nicht direkter sein und darum hat Eno mich schon bald abgehängt. Erst mit "Slow Ice" wirds wieder ruhig, aber anders ruhig, kalt ruhig, wie in einem Thriller. Und damit ist das Album insgesamt gut beschrieben. Es könnte Soundtrack zu einem Kinofilm sein und so sind die Nummern auch entstanden. Brian Eno hat in gemeinsam mit den Musikern Leo Abrahams (bereits an "Everything That Happens.." beteiligt) und Jon Hopkins unter anderem aussortierte Songideen in ein Album gepresst, z.B. zu "The Lovely Bones". Auch wenn der Sound des Albums einem roten Faden folgt, wirkt das Ganze irgendwie zerfahren auf mich.
Fazit: einige Songs auf Small Craft sind wirklich schön und atmosphärisch, wie z.B. "Lesser Heaven", "Slow Ice" oder Old Moon". Die schnelleren Pop-Nummern, allen voran das aufdringliche "Bone Jump", sind allerdings ein Fremdkörper. Das Album wirkt eher wie eine B-Seiten-Sammlung oder allenfalls wie ein Soundtrack. Daher nur 3 Sterne.