Plagiat oder nicht? Das ist hier die entscheidende Frage. Und gerade deshalb muss man das jüngste Werk der Männer um Art P. Alexakis in vielerlei Facetten zerpflücken, um letztendlich zu dem Entschluß zu kommen, dass zwar vieles an Vergangenes erinnert, dies aber angenehm aufbereitet wurde. Was soll's, welche Band hat nicht schon einmal den Gebrauch von Akkorden eingängiger, vielleicht einst populärer und in glorreicher Stunde gefeierter Songs gemacht. Gleicht eilt der Naseweiskritiker herbei und zupft aus seinem Plastiksack eine riesige Liste, voll mit Namen bekannter oder auch unbekannter Bands, welche nicht in dieses von mir aufgeführte Klischee passen. Natürlich gibt es die. Aber mal ehrlich, wäre es nicht schlimm, wenn alle Bands gleich wären?
So haben eben die Mannen von Everclear ein paar Akkorde hier, ein paar Textzeilen da eingefügt, wo sie dem eifrigen Anhänger schon einmal über dem Weg gelaufen sind. Doch am Zebrastreifen der Musikbranche hat Alexakis kräftig gepinselt und so sieht eben nicht alles so aus, wie es einmal war und damit steht fest: "slow motion daydream" ist in keinerlei Hinsicht als Plagiat anzusehen und die Behauptung, Everclear seien am kreativen Tiefpunkt angekommen schlicht und einfach unbegründet.
Blickt man einmal zurück auf das hochgelobte "Learning how to smile pt.1", so könnte mancher behaupten, die Coverversion von van Morissons Klassiker "Brown eyed girl" sei nichts weiter als ein mäßiges Produkt fader Mainstreamgeplänkeleien. Und so darf man eben nicht so voreilig sein und sollte den Klängen der Platte so oft lauschen bis man feststellt, dass da ja doch ganz nette Sachen im Spiel sind. Und so lässt sich auch "Slow motion daydream" begründen. Wieder einmal von Alexakis produziert, handelt es sich um ein hübsches Potpourri von Rock-Pop-Songs mit Niveau, was sich vor allem an den zwei herausragenden Balladen und sehr nachdenklich gestimmten Songs "Science fiction" und "Chrysanthemum" repräsentiert. "TV Show" und der halb- Bonustrack "Fall down" sind in richtiger Everclear-Manier und erinnern ( nicht im plagiatorischem Sinne) an "So much for the afterglow"-Zeiten.
Der Rest kann sich ebenfalls sehen lassen und tendiert zwischen Indie-Rock und Slow-Rock, eigentlich das, was Everclear eben können. Da kann man nur hoffen, das die Helden nicht ans Aufhören denken. Falls es so ist, haben sie einen würdigen Abschied verdient und man selbst solle sich immer an die herrliche Lyrik Alexakis erinnern. "Life is always getting better...for a while."