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Petrini nimmt einen längeren Anlauf und beschreibt die Bedingungen einer Ökonomie am Ende des Zweiten Weltkriegs: Italien war besiegt, und die Menschen hungerten. Sie hungerten so stark, dass sie ihre Hinterländer verließen, um in den Städten und an der Küste Einkommen und Auskommen zu suchen (oder dann in andere Länder emigrierten). Was sie zurückließen auf dem langen Weg in den bescheidenen Wohlstand, waren auch kulinarische Traditionen, die mit dem Laufe der Jahrzehnte drohten vergessen zu gehen. Und dagegen lehnt sich die mittleweile auf über 80.000 Mitglieder weltweit angewachsene Schar von Slow-Food-Aktivisten auf. Petrini und seine Getreuen, fast alle aus dem linken urbanen Milieu stammend, setzten für ihre Arbeit vier Schwerpunkte.
Sie untersuchten zunächst die materielle Kultur, denn es sei "sinnlos, einen Wein oder den Geschmack eines Brotes zu loben, ohne die Produktionsweise zu kennen". Zweitens wollen sie das landwirtschaftliche Erbe retten, "vor allem die organoleptische Eigenart der Nahrungsmittel, die immer mehr an Geschmack einbüßen". Drittens versteht sich die Bewegung im Dienste der Konsumenten: "Ohne verführende und irreführende Werbung soll für ein gesundes Gleichgewicht zwischen Qualität und Preis gesorgt werden." Und schließlich steht auch die Förderung des gastronomischen Genusses im Mittelpunkt.
Damit widersetzten sich Petrini und die weiteren Gründungsmitglieder der in den 80er-Jahren weit verbreiteten Meinung, dass ein Engagement für eine sozialistische Gesellschaft nicht im Einklang stehen könne mit einer puritanischen Lebenshaltung, die viele Kommunisten auszeichnete. Petrini: "Selbstironisch nannten sich die Anhänger von Arcigola Neogourmands, demokratische und antifaschistische Feinschmecker und neue Hedonisten." Petrini fasst die Philosophie von Arcigola auch in der Ablehnung der Strategien der Anti-Globalisierer zusammen: "Wir möchten unsere Kräfte vielmehr für den Rückgewinn von dem einsetzen, was wir verloren haben, und nicht gegen etwas Neues, was wir gar nicht haben wollen." --Carlo Bernasconi
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