Das Spiel "Distant Worlds" von Matrix Games hat bei mir fünf Sterne für den Spielspaß bekommen, weil ich wirklich meine Freude mit dem Ding habe. Es trifft meinen Geschmack recht gut, aber über kleine Dinge habe ich mich doch etwas geärgert.
Bevor ich das Teil nicht hier hatte, konnte ich mir so gut wie gar nicht viel darunter vorstellen, Kopierschutz usw. waren offene Fragen und ich war ja schon erstmal froh, als ich gesehen habe, dass es Boxed Versionen sind. Die Spielezeitschriften strafen diesen Titel ja eher mit Verachtung alias Nichtbeachtung, was ich als echter Fan des Weltraumstrategie-Genres schade finde. Nun aber zum Game selbst.
Ausstattung, Installation, Kopierschutz usw.:
- Kommt in einem DVD-Case mit einem wie ich finde dicken und auch wirklich informativen gedruckten Handbuch und einer eingeklebten bei mir etwas schlecht zu lesenden Serial. Übrigens ist es nicht einmal eine DVD, sondern das Spiel passt auf eine CD.
- Läuft unter Win 7 64-bit, wollte bei mir aber partout nach der Installation noch die Zusatzkomponenten (eine ältere Direct-X-Version und noch etwas) drauf haben, sonst hat er nicht gestartet.
- Die Versionsnummer ist fortgeschritten, weil es ja schon länger im englischsprachigen Raum draußen ist. Kein Patchen (er macht es aus dem Programm heraus, wenn man es im Launcher anwählt und man muss dafür nicht einmal registriert sein) nötig.
- Kopierschutz wie schon erwähnt mit Serial, man soll Boni bekommen, wenn man sich online registriert, aber ein Muss ist es nicht. Ich habe es gelassen.
Insgesamt alles sehr löblich und vorbildlich.
Der erste Start:
- Er braucht seine Zeit mit dem Laden des Games, aber wenn er dann mal da ist, hatte ich keine Probleme, wobei mir bislang die kleinen Galaxien gereicht haben. Ich habe meinen Prozessor, RAM und meine alte GeForce GT-240 also noch nicht ausgereizt.
- Da wären auch schon bei der Grafik. Das ist ein kleiner Negativpunkt, denn soviel macht sie nicht her. Wer Sins of a Solar Empire kennt... dort scrollt man auch auf der strategischen Übersicht raus und rein. So ist es auch hier. Ganz große Galaxieansicht bis runter in ein einzelnes System und zum einzelnen Planeten, der nicht begehbar ist. Gebäude (es gibt nur 3 Arten Raumhäfen von klein bis groß und 4 Labortypen, sowie Sensor- und Defensiveinrichtungen) werden quasi draufgepfropft wie Auswüchse. Ich war doch erstaunt, wie einfach das ganze Ding im Grunde gestrickt ist.
- Es gibt 2 Tutorials, die einem vieles erzählen und ein wenig Rumgeklicke erfordern, aber extrem interaktiv sind sie jetzt nicht. Manchmal reichen die Infos auch nicht aus, wie man später merkt, aber es gibt die Galxopädie (oder so ähnlich), wo alles drinsteht. Da muss man halt später nochmals lesen.
- Nun fängt mal also an, die Parameter zu definieren. Galaxiegröße, die eigene Spezies (ich fand die Unterschiede auch nicht wirklich groß, da hätte der Hersteller sich mehr einfallen lassen können!), Piraten, Monster, die "Schwierigkeitsstufe" des Anfangs (wie ist das Heimatsystem ausgestattet, wieviel bringt die eigene Wirtschaft von vornherein usw... und die anderen Imperien. Insbesondere bei denen gibt es viel auszusuchen. Möchte man gar keines (auch das geht im Gegensatz etwa zu Galactic Civilisations 2) oder mehrere, wo sollen sie im relativen Vergleich zu einem selbst sitzen, wie sind sie technologisch drauf (hochentwickelt oder am Anfang), sollen sie erst im Spiel dazukommen oder gleich von Start an... usw.
Nachdem man das alles mal konfiguriert hat, legt man los. Die Ladezeiten der konfigurierten Auswahl aus dem Hauptmenü heraus ist bei mir sehr flott.
Die Eigenheiten des Spiels:
- Tja... man kann einstellen, wieviel man selbst überhaupt machen möchte (da hat mein Vorrezensent schon Recht), aber hundertprozentig viel ist es nie. Die Privatwirtschaft (Frachter, Passagierschiffe usw.) entzieht sich dem Spielerzugriff komplett. Er kann nur die Militärschiffe, Bauschiffe und Erkundungseinheiten steuern.
- Die Forschung ist ebenfalls dem eigenen Zugriff nahezu entzogen. Man kann Einrichungen der 4 Hauptzweige für einen oder mehrere verstärkt bauen und sich so spezialisieren, aber die Raumhäfen forschen immer für alle Bereiche und nur durch "Notverordnungen" kann man eine Techologie schneller erforschen lassen. Dann ruhen alle anderen und es kostet Geld. Also nur Schilde oder Waffen ist echt nicht, außer eben durch Brachialeingriff. Man kann sich das wie eine Reihe von Balken denken, die im Normalfall alle gemäß der Foschungskapazitäten wandern.
- Die Weltraummonster (4 Typen) sind ganz lustig. Man kann einstellen, wie viele man davon im Spiel haben möchte (wie bei den Piraten) und sie fressen dann auf Futtersuche Stationen und Raumschiffe. Dabei offenbarte sich für mich dann, wie strunzdoof meine Kriegsraumschiffe agierten. Teilweise hatte ich auch einen kleinen Bug, dass sie ein Monster nicht mal angreifen wollten, aber das kam nur einmal vor. Das mit der Kriegsführung alias Schiffssteuerung hätte echt besser gelöst werden können.
- Man erkundet also die noch unbekannten Sternssysteme und kriegt angezeigt, was man auf den neuen gefundenen Planeten für Rohstoffe hat. Wer wie ich eine Entdeckernatur ist, kann da echt auf seine Kosten kommen. Zu Anfang (wenn man technologisch niedrig angefangen hat), kann man nur bestimmte Planetentypen kolonisieren, weshalb es dauert, bis man mal einen findet. Später kommen nach der Erforschung der Kolonisierungstechnologie mehr Möglichkeiten alias potentielle Wohnplaneten hinzu und ich kam kaum mehr nach mit dem Bauen der Kolonieschiffe (auf einen Schlag 40 neue Sumpfplaneten, wo man vorher nur Förderstationen bauen konnte). Na ja... man baut halt ein Kolonieschiff, klickt den Planeten auf der Karte manuell oder halt im Expansionsplaner (eines der sinnigen Menüs, damit man nicht den Überblick verliert) an und irgendwann kommt die Anzeige der neuen gegründeten Kolonie. Das ist ein nettes kleines PopUp-Fenster mit einer romantischen Planetenansicht und das war es dann. Auf den Planeten gehen oder so ist Fehlanzeige. Jetzt könnte man nur Raumhäfen usw. draufpfropfen.
- Die Wirtschaft: Man sollte im Plus bleiben und wertvolle Rohstoffe (Luxusgüter) abbauen lassen mit Förderstationen. Jede Station, jedes Kriegsschiff usw. kostet Unterhalt. Gerade die Bauschiffe hauen rein und am Anfang habe ich mir mal einen Spielstand relativ ruiniert, weil ich bei schweren Starteinstellungen zu früh ein weiteres solches gebaut habe. Sobald man eine Föderstation hat, kommen eigentlich automatisch Privatschiffe und transportieren. Gelegentlich findet man ganz seltene und teure Luxusrohstoffe, mit denen man noch mehr Geld verdienen kann (im erscheinenden PopUp-Fenster ist jeweils ersichtlich, wo sie sind).
- Die Diplomatie: Ich fand sie nicht so prall. Vieles erinnerte mich an Galactic Civilisations 2.
- Spionage: Manchmal nützlich, aber auch nicht groß steuerbar. Eben das typische Klickmenü.
Zum Spielspaß:
- Sehr viel ist halt automatisierbar. Sogar die Bau- und Erkundungsschiffe, bzw. Agentenrekrutierung. Flotten und Diplomatie auch recht weitgehend. Dann wird es echt eine Simulation eines Spiels, bei der man zusieht. Müsste ich jedoch nicht haben. Ich mache so viel wie möglich selbst und halte lieber die Galaxie kleiner, damit ich den Überblick nicht verliere.
- Wie erwähnt sehr wenig Möglichkeiten, auf den einzelnen Planeten viel zu machen.
Für mich liegt der Reiz im Entdecken der Systeme und im Planen der Wirtschaft. Habe ich noch genug vom Rohstoff X oder muss ich irgendwo meine Förderstation bauen und mehr ranschaffen? Mit der Zahl der Planeten und der Erforschung neuer Technologien (neue Module kosten auch stets Basisrohstoffe) steigt natürlich auch der Bedarf.
Fazit:
Ich habe tagelang recht viele Stunden davor verbracht. Es ist gut spielbar und die Wirtschaft stellt sicherlich eine neue Variante des aus anderen Spielen Vorhandenen dar, aber manches ist halt verbesserungswürdig (zu wenig Möglichkeiten des Spielers, nicht begehbare Planeten, dumme Raumschiffs-KI, mehr Unterschiede bei den einzelnen Völkern...). Ich werde es sicherlich noch länger spielen und finde wie ganz oben erwähnt die Vorgehensweise des Herstellers- und Publishers in puncto Kopierschutz und Ausstattung sehr löblich.
Ich hoffe, diese Rezension trägt auch noch zur Aufklärung mancher Spielerseele bei, die wie ich davorstand und nirgendwo was zum Nachlesen hatte, was Distant Worlds überhaupt ist und wie es funktioniert (verflucht seien die Spielezeitschriften, die es zumindest auf ihren Internetseiten vergessen!).