Aus der Amazon.de-Redaktion
Wenn Neil Young eine ausgeprägte Schwachstelle hat, dann ist das seine mangelnde Konzentration. Seine übermäßige Ruhelosigkeit treibt ihn zuweilen ins Studio, ohne daß seine Ideen wirklich zu Ende gedacht wären. Heraus kommt so ein Album wie Sleeps with Angels -- und doch ist es eines seiner besten.
Erschüttert vom Tode Kurt Cobains (der Märtyrer des Rock'n'Roll hatte ihn in seinem Abschiedsbrief zitiert) spielte er 1994 mit Unterstützung seiner 'Electric Warriors' Crazy Horse eilig diese Liedersammlung ein. Mindestens zwei Songs (der Titeltrack und "Change Your Mind") scheinen direkt Bezug auf Cobain zu nehmen. Andere (wobei "Driveby" und "Safeway Cart" zu den auffälligsten gehören) sind ebenso faszinierend wie bedrückend. Wieder andere sind rauh und einschneidend ("Piece of Crap", "Blue Eden"). Man sieht hier, daß ein Klagelied im Ton nicht verhalten sein muß.--Steven Solder
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Singen konnte Neil Young noch nie. Behaupten böse Zungen. Wer klassisch schönen Belcanto darunter versteht, hat recht. Kaum je hat er derartige Dissonanzen zugemutet wie in Prime Of Life. Diese Flötentröte ist sowas von daneben! Aber dafür hat's ja die Skip-Taste. Die übrigen elf Stücke fließen wie ein Fluß, als hätte Young mit Frank Sampedro (Gitarre), Billy Talbot (Baß) und Ralph Molina (Drums) die Vergangenheit abgegrast, um eine Best-Of-CD ganz neu zu schreiben. Anfang und Ende zieren My Heart und A Dream That Can Last: typische, brüchige Balladen zu Jahrmarkt-Piano. Mittendrin entwickeln sie Change Your Mind zur packenden Gitarren-Jam von fast 15 Minuten. Drumherum drapieren sie Punk-Wut (Piece Of Crap), das träumerisch pulsierende Safeway Cart, ziehen durch Blue Eden eine verzerrte R & B-Spur, lassen den Trans Am vorbeirauschen. Die Ballade Driveby eie der rauhe Titelsong aber treffen auf ihre herbe, direkte Art den Nerv - um so mehr, wenn man um die Geschichten dahinter weiß. Die Texte, in deutsch beigelegt, helfen, das Phänomen Young zu begreifen - den spröden Einzelgänger, den man um so höher schätzt, je besser man ihn - und Sleeps With Angels - kennt.
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Stereoplay
In seinem Abschiedsbrief zitierte Nirvanas tragisches Genie Kurt Cobain die berühmte Zeile "It's better to burn out than to fade away", und wenn man Gerüchten glauben darf, ließ sich deren Verfasser Neil Young durch Cobains bestürzenden Freitod zum Titelsong seines neuen Albums inspirieren. Das Stück geriet entsprechen düster, mit irritierend gegenläufigen E-Gitarrenphrasen und einem im chaotischen Mix fast untergehenden Gesang. Düster ist auch die vorherrschende Stimmung dieser mit Youngs Rock'n'Roll-Kumpanen Crazy Horse eingespielten Platte. Doch von Rock'n'Roll kann hier kaum die Rede sein. Mit einer einzigen Ausnahme - der brettharten Punkrock-Nummer "Piece Of Crab" - sind die Tempi der zwölf Songs verhalten bis schleppend langsam, die Melodien nicht unbedingt eingängig. Die Instrumentierung tut ein übriges. Zwar wird das Album mit je einem Song zu akustischer Pianobegleitung eröffnet und beschlossen, und "Train Of Love" beschwört die klangliche Atmosphäre von "After The Goldrush" herauf, doch in den restlichen Titeln dominiert ein dumpf verzerrter elektrischer Gitarrensound - am prägnantesten in den knapp 15 Minuten von "Change Your Mind", dem Herzstück des Albums, das stilistisch stark an Songs wie "Cowgirl In The Sand" und "Down By The River" angelehnt ist. Der Rezensent bevorzugt allerdings die 1969 auf "Everybody Knows This Is Nowhere" veröffentlichten Vorlagen.
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SLEEPS WITH ANGELS