Manchmal (eigentlich immer) macht es einen Frank Zappa alles andere als leicht, mit ihm zurechtzukommen.
Nicht genug damit, dass er, wenn er nur 5 Jahre eher geboren wäre, ein bedeutender doo-woop-rock`n roller
der ersten Stunde hätten werden können und er ohne weiteres statt Glenn Campbell der Live-Ersatz-Gitarrist
der Beach Boys hätte werden können (seine Liebe zur Surf-Musik und seine Einsätze als Studio-Gitarrist für
Surf Bands sind auf "Cucamonga"dokumentiert) - nein, er wäre auch ein hervorragender Fusion-Jazz-Gitarrist
geworden und seine Liebe zu Musik von Edgar Varése und Luigi Nono u.a. machte ihn auch zu einem Avantgardisten für die zeitgenössische Moderne; er hätte aber ebenso mühelos den Weg des David Bowie oder den des jungen Mike Oldfield gehen können oder statt Steve Howe bei Yes spielen können (wenn ihn das alles oder besser: eines davon -ausschließlich interessiert hätte - aber dann wäre er nicht "Zappa" geworden, der Alleskönner, der all diese Stile desöfteren auf einundderselben Platte kräftig durcheinandermixt und mit einer gehörigen Portion Humor durchsetzt, über dessen Berechtigung man durchaus streiten kann).
Genau diesen Mix plante er 1979 mit seiner 4-LP-Box "Läther" auf die Spitze zu treiben - einem Vorhaben, dem seine Plattenfirma Warner Brothers zum Glück (zunächst) Einhalt gebot - denn dann gebe es die 5 genialen Einzelveröffentlichungen nicht, die statt "Läther" erschienen (Studio Tan, Orchestral Favourites, In New York, Sheik Yerbouti und Sleep Dirt), und uns wäre "Sleep Dirt" möglicherweise in dieser genialen Konstellation entgangen (wohlgemerkt, ich spreche von der ursprünglichen LP-Version ohne den Gesang von Thana Harris). Und da sind wir schon beim nächsten Punkt, der einen manchmal zur Verzweiflung an Zappa treibt, den der Meister beläßt es mitnichten bei der Gesamt-Oeuvre-Konfusion; nein, das Chaos erstreckt
sich desöfteren auch schon einmal bis in die einzelnen Titel einer Platte bzw. die verschiedenen , jeweils versetzten Versionen der Ausgaben...So auch hier: Während die originale LP instrumental gehalten war wurde für das CD-Release bei 3 Stücken der allerdings auch ursprünglich von Zappa so gewollte Gesang von Thana Harris hinzugefügt.
Drei der Titel von Sleep Dirt (darunter das wunderbare, majestätische "The Ocean Is The Ultimate Solution" und "Regyptian Strut" sind Reste seiner genialen
Sessions für "Zoot Allures"; 3 weitere ("Flambay," "Spider of Destiny," und "Time Is Money") auf der ofiziellen CD Ausgabe nunmehr mit dem Gesang von Thana Harris versehenen Titel waren für sein Musical "Hunchentoot" bestimmt. Man mag von Thana Harris` manchmal an der Grenze ihrer Möglichkeiten
vorgetragenen Gesang halten was man will (zum Beispiel, das es Zappa so haben wollte) - aber die Instrumentalspuren werden davon nun
teils bis zur Unkenntlichkeit überlagert. Ein ähnlich böses Schicksal widerfuhr dem hymnischen "Regyptian Strut" durch die Substituierung von
Chad Wackerman`s originalem Drumspiel durch Chester Thompson`s nunmehr hier präsente, verhallte Effekthascherei.
Ich habe mir ein gutes Vinyl auf CD gezogen und höre die Gesang-Stücke nur noch selten. Auf "Läther" finden wir die instrumentalen Originale; aber leider war es eine ultimativ schlechte Lösung, "Ocean" dort zu kürzen...
Eine wunderbare Jazzrock/Fusion Platte - Ahmet Ertegun von Warner Brothers war zum Glück Weise genug zu erkennen, das genau diese Titel zusammen ein unbeschreiblich geballtes Kraftfeld erzeugen!