Es ist mal wieder einer der reizvolleren Releases, der mir hier in Form des #Amaseffer# Debüts *Exodus Slaves For Live* vorliegt. Nicht genug, dass die Band aus Israel stammt und mit Mats Leven (#Therion#, #Swedish Erotica#, #Malmsteen#, #Abstrakt Algebra#) eine der besten Stimmen Europas für ihre Aufnahme gewinnen konnte, nein die Thematik des überlangen, in Summe als Trilogie geplanten, Silberlings handelt stilgerecht vom Alten Testament, schildert mittels authentischer Klangfarben den ersten Teil des Buch Mose (Exodus), erzählt den heroischen Auszugs der Israelis ins Alte Ägypten.
Läßt man sich auf die Reise mit #Amaseffer# ein, schenkt man diesem sicher nicht immer einfach zu genießenden Kunstwerk jene uneingeschränkte Aufmerksamkeit, die es benötigt und auch verdient, wird man reich belohnt. Man kann die Dramatik, die Epik, Leid, Trauer, Hoffnung, Verlust und Schönheit fast beängstigend nahe vorm imaginären Auge sehen, wenn man den intensiven Soundcollagen mit gebührender Erfurcht begegnet. Behutsam, geheimnisvoll und voll der akustischen Magie ihres Landes, entführen #Amaseffer# in ihre ganz eigene Welt.
Ein Soundtrack ist es geworden, dieses opulent erhabene Album zwischen folkloristischem Prog Metal, orientalischen Instrumentalisierungen und nahöstlichen Gesängen. Power Metal ist zu erahnen, doomige Momente und bombastische Filmmusiken schmiegen sich um allerlei Instrumente des heiligen Landes. Weltmusik nennt sich die eigentliche Waffe dieser höchst talentierten Band. Man kann *Exodus Slaves For Live* gar nicht auf einzelne Songs reduzieren. Man muss von Anfang bis Ende in die Welt der Israelis eintauchen, um sie auch nur ansatzweise zu begreifen.
#Amaseffer# auf bekannte Namen zu reduzieren scheint nahezu unmöglich. Wenn schon, dann kann man sie ehesten als eine höchst eigenständige Mischung aus Fragementen von #Orphand Land, #Saviour Machine#, #Beyond Twilight# und #Therion# umschreiben, ohne ihrer Kunst wirklich gerecht zu werden. Es ist absolut faszinierend, wie intensiv und inbrünstig die Israelis zu Werke gehen. Ein ganzes Orchester trägt dazu bei die symphonischen Soundtrackpassagen zu kreieren, den Hörer in eine dunkle Welt zu entführen. Das Geschickte Wechselspiel eines Mats Leven (der zu jeder Sekunde seiner Performance zusätzlich für Dramatik und Tiefgang sorgt) und #Orphaned Land# Fronter Kobi Fahri (der sämtliche orientalischen Gesänge beisteuert) zeugt von großem Sinn für die Inszenierung, welcher durch einen kurzen aber intensiven Auftritt von #Arch Enemy# Frontröhre Angela Gossow, (die dem 11-minütigen Epos +Midian+ durch eine gewohnt aggressive Performance letzten Biss verleiht) nur unterstrichen wird. Auch wenn nicht jeder einzelne Song das letzt nötige Etwas besitzt, auch wenn #Amaseffer# leider nicht immer so endlos genial und treffsicher agieren, wie beim unsterblich schönen +Birth Of Deliverance+ (Traumrefrain), und sich auf diesem, fast mit Hörspielcharakter versehenen Monumentalwerk, trotz aller Vielseitigkeit, trotz aller durchdachten Details ohne Zweifel die ein oder andere Länge einschleicht, wird die Klasse und Magie des Gesamtproduktes nur sehr wenig geschmälert.
*Exodus* ist sicher kein Album für Nebenbei, auch kein Epos, bei dem man sich den ein oder anderen Song rauspflücken soll. Es ist ein Gesamtkunstwerk im Stile von #Saviour Machine#s *Legend* Trilogie. Selbstredend nicht so genial wie die unerreichbare Kunst der Amis, auch nicht immer so effizient wie das Machen oben genannter Acts, aber dennoch höchst erstrebenswert. Kein Werk für alle Tage, kein Werk für oberflächliche Soundkonsumenten und sicher auch kein Werk für Menschen ohne Geduld.
#Amaseffer# verlangen Aufmerksamkeit, Zeit und wohl auch das biblische Leid, von dem sie erzählen. Bringt man diese Tugenden auf, dann kann man sich einem der intensivsten und auch innovativsten Konzeptalben seit langer Zeit hingeben und an einer der inbrünstigsten Darbietungen magischer Musik des nahen Ostens laben.
Für ein Debüt ist diese Aufführung aller Ehren wert, die letzte Konsequenz im Songwriting traue ich den Herren in Zukunft auch zu und ich für meinen Teil freu mich schon jetzt auf den zweiten Teil der Erzählung des *Exodus*