... zwischen zeitgeschichtlichem Sachbuch und authentischer Bellestristik, das ist es, was "Slash" so einzigartig macht.
Das Buch könnte eines von vielen sein, das die Problematik der Identitätskrisen der American Natives behandelt. Doch meist sind es entweder Bücher, die möglichst nah an der Realität bleiben, z.B. als Biografien, oder die wahren Geschehnisse der indianischen Depression und ihrer Überwindungsversuche bilden (nur) den Hintergrund für frei erfundene individuelle Schicksale.
Bei Slash liegt es wirklich etwas anders. Zwar mögen es auch hier erfundene Protagonisten sein, doch wir Leser werden von ihnen, insbesondere vom Ich-Erzähler Slash, in eine Geschichte hineingezogen, die in ihren einzelnen historischen Geschehnissen wirklich so stattgefunden hat. Es ist, als würden wir mit Hilfe unserer Leserfantasie Augenzeugen des wiedererstehenden indianischen Selbst-Bewusstseins der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts sein dürfen. Doch Slash macht uns dies nicht zu einfach. Er ist ein Suchender, Zweifelnder und Hoffender wie wenige. Gerade sein unbedingtes auf-den-Kern-des-Problems-dringen-wollen ermöglicht es dem Leser, sich die Denkweisen vieler verschiedener indianischer Gruppen und Individuen zu erschließen. Hin-und-her-gerissen von den Argumenten der zur Assimilation bereiten, der zum militanten Widerstand neigenden, der auf spirituelle Werte vertrauenden und anderer "Brothers and Sisters" gibt Slashs Suche nach der für ihn gültigen Wahrheit uns tiefe Einblicke in eine Menschenmenge, die aus der Ferne allzu schnell als DIE indianische Community bezeichnet wird, in der Nahdistanz jedoch eine verwirrende Vielfalt an Meinungen und Haltungen offenbart.
Unbedingt lesenswert!
Zwei Wermutstropfen: Das Buch müsste so schnell wie möglich sprachlich überarbeitet neu aufgelegt werden. Die Rechtschreibfehler haben mich mehrfach sehr verdrießlich gestimmt. Und ob es nun an einer nicht so gelungenen Übersetzung liegt oder die Dialoge auch im Original so hölzern, ja fast akademisch daherkommen, kann ich nicht beurteilen. Es ist jedenfalls eine oft nicht sehr leserfreundliche Sprachgestaltung.
Trotzdem fünf Sterne, weil ich mit Slash beinahe ein nur für mich geschriebenes Buch in der Hand zu haben glaubte. Das wird vielleicht noch vielen anderen Indianer-Interessierten so gehen.