Slanted #15 - Experimental beschäftigt sich mit gestalterischen Strategien des Experiments. In dieser Ausgabe sind Arbeiten zu sehen, die den Zufall einbeziehen, die auf Fehlern und Ungenauigkeiten basieren, die konzeptuell oder systematisch abgeleitet sind - durchgängig Arbeiten, die andere, unkonventionelle Wege in der Gestaltung gehen. In der Typografie ist der spielerische Umgang mit Werkzeug, Form und Konzept ein beliebtes Mittel zur Bewusstseinserweiterung. Dies ist (betrachtet man die hohe Anzahl der Einreichungen für diese Ausgabe) ein weit verbreitetes Phänomen, welches besonders häufig im Hochschulumfeld anzutreffen ist. Das ist nicht weiter verwunderlich, zumal im Zusammenspiel mit einem Modell experimentelle Ergebnisse die Grundlage einer Theorie sind. Ungenauigkeiten führen mitunter zu neuer Präzision - etwa bei der Brotschrift dieser Ausgabe. Die Schriftfamilie Korpus wurde von Michael Mischler und Nik Thoenen vom Berner Fontlabel Binnenland entworfen. Grundlage war dabei eine genaue Analyse auftretender Ungenauigkeiten im Druckbild von Schriften des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Wir präsentieren die sehenswerten Fotostrecken von Matthias Hubert (Dortmund), der den Fans des amtierenden deutschen Meisters auf die Kutte geschaut hat, und von Ken Rosenthal (Tucson AZ), der dem Experiment die Dunkelkammer öffnet. Die Type Essays von Christine Hartmann (Leipzig), Will Hill (Cambridge) und Shelley Gruendler (Galiano Island) beschäftigen sich ebenfalls mit der Strategie des Experiments. Zu lesen gibt es außerdem Interviews mit Peter Bi'lak (Den Haag), Michael Mischler und Nik Thoenen (Bern), Martin und Thomas Poschauko (Au bei Bad Aibling), Oded Ezer (Givatayim), Donald Beekman und Liza Enebis (Amsterdam) und Neville Brody (London), zudem einen Artikel über den Japanischen Modernismus und den fünften Teil des Tokyo Reports, beides von Ian Lynam (Tokyo), sowie den nächsten typoakustischen Reisebericht von Frank Wiedemann (Berlin).