In "Slam" widmet sich Nick Hornby seinem Lieblingsthema, dass schon Romane wie "High Fidelity" oder "About a Boy" geprägt hat: Menschen am Scheideweg und ihre Angst vor einem neuen Lebensabschnitt. Ein noch kindsköpfiger junger Mann der sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, dem zu entsprechen, was die Gesellschaft unter "Reif und Erwachsen" versteht, rutscht in eine Situation, in der er sich plötzlich gezwungen sieht Verantwortung für sein Leben und sein direktes Umfeld zu übernehmen. Mittelpunkt des Buches sind dabei keine komplexen Ereignisse, sondern der äußerst widerstrebend durchlebte Reifeprozess der Hauptperson Sam.
Der wesentliche Unterschied zu den beiden oben genannten Romanen ist, dass der Ich-Erzähler diesmal kein spät entwickelter 30jähriger Berufsjugendlicher ist, sondern ein echter Teenager, der normalerweise seine naives Kindsein noch genießen könnte, wenn seine Freundin nicht ungewollt schwanger geworden wäre. Gemein ist den Romanfiguren hingegen die Angst vor einem völlig neuen, unbekannten Lebensabschnitt und die Erkenntnis dass Menschen keine Inseln sind, die ihr Schicksal ganz allein in den Händen haben, sondern das bestimmte Entwicklungen unvermeidlich sind und man sich mit ihnen arrangieren muss.
"Slam" weißt in vielem die bekannten Qualitätsmerkmale von Hornby auf: Die Gedanken der Hauptperson sind brillant in Worte gefasst. Grandioser Wortwitz und treffend beschriebene wieder erkennbare Gefühle ziehen sich wie ein roter Faden durchs Buch. In der Hinsicht ist Nick Hornby einer der besten zeitgenössischen Schriftsteller überhaupt. Die Geschehnisse sind überwiegend warmherzig und positiv ohne dabei in ein kitschiges "Alles wird gut" abzudriften.
Das vielleicht positivste Element ist jedoch Hornby literarische Entwicklung. Mittels des für ihn ganz neuen Stilmittels aus Zeitreisen/-sprüngen wirft er einen frischen "Vorher/Nachher"-Blickwinkel auf das bekannte Thema des menschlichen Entwicklungsprozesses und die Angst vor Neuem und Ungewohnten.
Es gibt allerdings auch ein paar Aspekte zu bemängeln. Ob Sam tatsächlich so denkt und fühlt wie ein normaler Teenager oder eben doch nur, wie sich der 50jährige Hornby einen Teenager in der heutigen Zeit vorstellt, bleibt zweifelhaft. Da Menschen nun mal unterschiedlich sind, kann man das nicht verallgemeinern und es wird sich nie endgültig klären lassen. Ein etwas fades Gefühl bleibt indes zurück. Hornby hätte besser daran getan sich von vornherein auf einem weniger angreifbaren Terrain zu bewegen. Zumal sich wohl auch der größte Teil seiner Leserschaft nur bedingt mit der speziellen Situation identifizieren kann.
Ein bisschen enttäuschend ist auch, dass Hornby sich ausschließlich auf den Protagonisten konzentriert (ähnlich wie in "High Fidelity") und dabei das Erzählen einer guten Geschichte vernachlässigt. Der hätte es besser getan, wenn er nicht auf ganze Phasen in dem Prozess des Kinderkriegens (wie etwa die gesamte Schwangerschaft) nahezu komplett verzichtet und man ein bisschen mehr aus der Sicht der jungen Mutter erfahren hätte.
Sollte sich Hornby seinen messerscharf analysierenden Blick auf seine Mitmenschen und seinen unvergleichbaren Wortwitz bewahren, und sich zusätzlich endlich die Zeit nehmen eine komplexe, umfassende Geschichte zu erzählen, statt lediglich eine prägende Phase aus dem Leben einer Person, wird dieser Roman sicherlich ein Meisterwerk. Hoffen wir darauf und erfreuen uns bis dahin daran, was er uns bietet. "Slam" erfüllt zwar nicht diesen Traum, nährt aber die Hoffnung, dass er in Erfüllung gehen könnte.