Um's vorweg zu nehmen: "Skynyrd's First and Last" bekommt natürlich die volle Punktzahl, die hier bei amazon.de möglich ist. Zu sehr gehen -nicht nur mir- diese Perlen der frühesten LynSkyn-Phase, als noch keine Plattenfirma den Braten gerochen hatte, ans Gemüt. Ich ärgere mich aber über die Inkompetenz der verantwortlichen Plattenlabels (die Besitzrechte dürften umstritten sein), hier eine, der Wichtigkeit dieser Aufnahmen gerechte, angemessene Scheibe den hungrigen Fan's zu präsentieren.
Da wird der CD ein einfaches, weißes Blatt beigelegt, dem gerademal die Songs und deren Komponisten zu entnehmen sind. Liner-notes Fehlanzeige - keine Angaben zu wichtigen Fragen wie: was sind Original-Aufnahmen und welche wurden wann und mit wem überarbeitet, da zumindest bei zwei Takes die Honkettes [JoJo Billingsley, Cassie Gaines und (mein Augenstern) Leslie Hawkins] zu hören sind. Das wird dem Wert dieser Aufnahmen in keiner Weise gerecht und dieses unschöne Problem sollte von der Band gelöst werden.
Die Aufnahmen entstanden in den legenden-umwobenen "Muscle Shoals Sessions" 1971. Zu diesem Zeitpunkt bestand LynSkyn nur aus dem festen Kern von RVZ/Collins/Rossington - des weiteren waren Gregg Walker (Bass) und Rickey Medlocke (Drums, Vocals), die später gemeinsam BLACKFOOT gründen sollten, und die späteren festen Skynyrd-Members Wilkeson und Burns vertreten. Welche Formation welchen Track aufgenommen hat, bleibt im Dunkel um diese Aufnahme verhüllt.
Los geht's mit "Down south jukin'", das 1973 als B-Side von "Free Bird", 1994 auf der "Endangered species" und auf diversen Live-Aufnahmen erscheinen sollte. Diese Aufnahme muß allerdings nachträglich bearbeitet worden sein, da hier die Honkettes zu hören sind. Wäre wirklich schön, wenn dieses Mysterium aufgeklärt werden könnte.
"Preachers daughter" (Medlocke/RVZ) ist eine ganz scharfe Nummer, von Rickey Medlocke und RVZ, komponiert, sodaß man zumindest davon ausgehen kann, daß Medlocke auch an den Drums zu hören ist.
"White dove" (Medlocke) ist mit seinem ungewöhlichen Falsett-Gesang von Rickey Medlocke extrem gewöhnungsbedürftig. Seine Gesangsleistungen später bei BLACKFOOT gefallen mir eindeutig besser.
Dann eines der Highlights: "Was I right or wrong" (Rossington/RVZ), das später für "Second helping" neu aufgenommen, aber letztendlich nicht erscheinen sollte. Mysteriöserweise sind hier aber wieder die Honkettes zu hören?!?
"Lend a helpin' hand" (Collins/RVZ/Rossington) ist ein druckvoller Swamper, der bereits alle Trademarks späterer Skynyrd-Songs aufweisen sollte - rauh und ungestüm-wild! Gleiches gilt für "Wino" (RVZ/Medlocke/Collins)mit seinen Heavy-Riffs.
"Comin' home" (Collins/RVZ) erschien auch auf dem 1991er Box-Set, sodaß zumindest klar ist, daß die Gesangsparts 1975 zusammen Gitarrenparts Ed King's und Pianoeinlagen von Billy Powell overdubbed wurden. Außerdem erfahren wir dort, daß Walker am Bass und Medlocke an den Drums tätig waren. Na also, es geht doch.....
Auf "The Seasons" (Medlocke) bekommen wir wieder die Sangeskünste von Rickey Medlocke zu hören. Mir macht diese Aufnahme wenigstens klar, daß es mit Ronnie und Rickey gemeinsam wohl wirklich keine Zukunft bei Skynyrd gab. Die Trennung macht Sinn - man blieb sich ja freundschaflich eng verbunden.
Der letzte Track "Things goin' on" (Rossington/RVZ) ist ein weiteres Highlight, ein Cremeschnittchen, die vielleicht reifste Leistung der gesamten Scheibe! Dieser Song sollte später für "Pronounced" neu aufgenommen werden.
Fazit: eine für jeden Fan LYNYRD SKYNYRD's unentbehrliche Scheibe, die zwingend in die Sammlung gehört. Musikalisch TOP - Ausstattung FLOP - so könnte man es auf den Punkt bringen.
Für Neueinsteiger ist "First and last" denkbar ungeeignet - man muß immer wieder erinnern, daß diese Aufnahmen 1971 -lange vor dem ersten Plattenvertrag LynSkyn's- zustande gekommen sind. Mit einer hochglanzpolierten Produktion kann sich "FaL" nicht messen, und das ist auch garnicht die Intention.