Von Richard Morgan sind bisher die drei Takeshi Kovacs-Romane sowie "Profit" erschienen. Alles ganz hervorragende und packende Romane. Sein neues Werk "Black Man" (im deutschen unpassendereweise mit Skorpion betitelt) fällt dagegen ab.
Man merkt Morgan zwar an, dass er schreiben kann (trotz der miesen deutschen Übersetung, siehe weiter unten), aber er packt zuviel in den Roman hinein und verzettelt sich. Die Interaktion der Charaktere untereinander und die Schilderung der Verhaltensweisen der Dreizehner sind gut gelungen, aber die Handlung ist dünn, wird wie Kaugummi auseinandergezogen und ist auch nicht gerade spannend.
Trotz allem wäre es ein guter Roman geworden, wenn der deutsche Übersetzer das gemacht hätte, für das er bezahlt worden ist: nämlich zu übersetzen.
Mit Herrn Winkelmann wurde diesmal ein anderer Übersetzer als bei den bisherigen Morgan-Romanen beauftragt, und er war der Sache entweder nicht gewachsen oder hat geschludert. Der Titel dieser Rezension "Das Taxi machte eine U-Wende über den Gegenverkehr" ist ein wörtliches Zitat aus der Übersetzung (kein Witz) und ein Beispiel, wie schlecht die Übersetzung ist. Wer ein bisschen nachdenkt, weiss hier, wie der original englische Text gelautet haben muss. Eine Übersetzung sieht anders aus.
Dafür werden andere Begriffe gar nicht aus dem Englischen übersetzt, sondern einfach in den deutschen Text übernommen (z.B. Starscape, Opsdogs). Wenn man etwas Englisch kann, kann man sich zwar ableiten, was das bedeuten soll. Aber dann kann ich das Buch auch gleich auf Englisch lesen. Schön auch die deutsche Übersetzung: marsianische Kunst (das war wohl im Original mal "martial arts" und bedeutet was ganz anderes).
Zum Teil wurde sehr wörtlich übersetzt, was den Sätzen und stellenweise ganzen Passagen den Sinnzusammenhang raubt. So macht Lesen keinen Spass.
Ich denke, mit einem guten Übersetzer hätte das Buch - trotz Handlungsschwächen - 4 Sterne verdient. Dank der schlechten Übersetzung reicht es nur für einen, und der ist schon zuviel.