und wenige beeindrucken mich. Dieses Werk von Naipaul gehört zu den wenigen Büchern. Jetzt kann man natürlich sagen: Schon klar, kaum den Nobelpreis gewonnen, schon finden allen den Autoren toll - aber in diesem Fall würde ich solche Vorwürfe einfach zurückweisen.
Naipaul schafft es mit diesem Buch die "Westindies" vor dem Auge des Leser auferstehen zu lassen. Selten habe ich ein Buch gelesen, in dem ich so in eine für mich Fremde Kultur hineingezogen worden bin. Sprachlich brillant. Hinzu kommt meine Hochachtung vor dem Autor, der es schafft trotz seiner Westindischen Abstammung und seiner englischen Prägung vollkommen wertneutral die Situation zu schildern, ohne dabei distanziert zu wirken. Nur ganz wenige Autoren sind dazu in der Lage.
Aber noch aus einem anderen Aspekt ist dieses Buch für mich außergewöhnlich: Es ist ein sehr interessantes Zeitdokument - geschrieben 1960. Es gibt sehr orginalgetreu (aus meiner Sicht) die politischen Zustände wieder - und noch viel wichtiger: Die aus damaliger Sicht wichtigen Themen. Die Sklavenfrage, die gesellschaftliche Position der unterschiedlichen Rassen und die Loslösung vom Kolonialismus sind zentrale Themen im Buch von Naipaul. Diese Themen würden aber aus heutiger Sicht nicht nur eine andere Gewichtung, sondern auch eine andere Form der Darstellung erhalten.
Interessant finde ich auch, dass es schon 1960 Autoren gab, die dem zunehmenden Amerikanismus in einer Gesellschaft sehr kritisch gegenübergestanden haben.
Insgesamt sicherlich ein sehr, sehr gutes Buch. Nicht leicht verdaulich und somit vielleicht nicht für jedermann. Jeden der politisch inspirierte Literatur mag, die zudem noch ein Zeitfenster öffnet sei dieses Buch wärmstens empfohlen.