- Gebundene Ausgabe: 258 Seiten
- Verlag: Hammer (1997)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3872947451
- ISBN-13: 978-3872947451
- Größe und/oder Gewicht: 21,1 x 13,7 x 2,9 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.096.744 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
Produktinformation
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Buchi Emecheta: «Sklavenmädchen»
Die 1944 geborene Nigerianerin Buchi Emecheta tritt in ihren Romanen als so kenntnisreiche wie diskrete Advokatin für die Rechte afrikanischer Frauen ein. Während der Jahre, da sie als «Bürgerin zweiter Klasse» in London fünf Kinder aufzog, den Lebensunterhalt für die Familie verdiente und gleichzeitig ein Soziologiestudium absolvierte, hat sie die Spannungen einer Existenz zwischen familiären Verpflichtungen und dem Wunsch nach persönlicher Entwicklung selbst erfahren; hier fand sie den Stoff für ihre ersten, autobiographischen Bücher, deren Themen sie seither in immer neuen historischen und lokalen Kontexten variiert und erweitert. Dass die Umsiedlung nach Europa vom Traum zum Trauma werden kann, erfährt auch die Protagonistin von «Gwendolen»; die bitter abgewürzten Freuden der Mutterschaft bekommt die schöne Nnu Ego in «Zwanzig Säcke Muschelgeld» zu kosten; als reine Arbeitseinheit schliesslich wird Ojebeta im kürzlich auf deutsch erschienenen Roman «Sklavenmädchen» herumgeschoben, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Nigeria spielt.
Eine filigrane Tätowierung, die ihr Gesicht fast ganz überzieht, und eine Handvoll schmutziger, heimlich verwahrter Amulette sind Ojebetas einzige Andenken an die behütete Kindheit im Dorf; doch diese Zaubermittel, welche ihr Schutz vor Übergriffen aus dem Geisterreich bieten sollten, haben sie nicht davor bewahrt, dass der Bruder sie nach dem Tod der Eltern im Rahmen eines so illegalen wie gängigen Geschäfts an eine wohlhabendere Verwandte in der Stadt verkauft. Der neuen Besitzerin trägt diese Investition gleich doppelte Zinsen, da ihr nicht nur Ojebetas Arbeitskraft, sondern auch der dereinst für sie zu erlegende Brautpreis zufallen wird.
Das kümmerliche Geschick des Mädchens die Tage hinterm Marktstand der Meisterin, die trostlosen kleinen Zerwürfnisse mit den Leidensgenossinnen, die raren Vergnügen wird ohne Hast, dafür lebendig und detailreich entfaltet. Dramatische Effekte und kritische Fingerzeige sind sparsam gesetzt; die Charaktere erhalten Plastizität eher durch die wechselnden Stimmungen und Attitüden, in denen sie dem Alltag und den Mitmenschen entgegentreten denn durch vertiefte psychologische Reflexion. Durch diese Reserviertheit vermeidet Emecheta das Pathos der engagierten Literatur, legt aber auch eine gewisse Distanz zwischen Figuren und Leser einen Raum, in dem sich dafür ihre Schilderungen der afrikanischen Lebenswelt um so wirkungsvoller entfalten können. Diese Mischung aus durchaus nicht unempfindsamer emotionaler Spröde und reichem darstellerischem Kolorit gibt letztlich den nachgerade idealen Modus für eine achtsame, aber nicht vereinnahmende Annäherung an die fremde Kultur vor.
Angela Schader
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