Kurzbeschreibung
Das als Reprint vorliegende Skizzenbuch, von Adolph Menzel signiert und mit der Jahreszahl 1846 versehen, läßt erkennen, daß der Künstler in allen graphischen Techniken, so auch mit der Bleistiftzeichnung, Großartiges geleistet hat. Bei der Durchsicht der Blätter wird verständlich, warum Menzel das Zeichnen besonders bevorzugte - die Kunst, mit der er Mensch, Natur, Leben sicher und eindringlich zu skizzieren vermochte, hat bereits in seinen jungen Jahren einen hohen Grad der Perfektion erreicht und findet im 19. Jahrhundert nur wenige Parallelen. Menzel hat die Kunst der spontanen Zeichnung zu einer neuen Blüte gebracht. Immer wieder zeigt er seine Virtuosität, die sich unter anderem äußerlich schon dadurch dokumentierte, daß Menzel wie ein Pianist mit beiden Händen zugleich arbeitete. Die Entstehung des Skizzenbuches fällt in die Epoche nach den Erfolgen der historischen Darstellungen über die Regierungszeit Friedrichs des Großen. Seine Skizzen des Jahres 1846 entstanden jedoch ebenso in zeitlicher und thematischer Nähe zu den sogenannten vorimpressionistischen Bildern, von denen das 1845 entstandene >>Balkonzimmer<< das wohl bekannteste Werk ist. In allen Zeichnungen des Skizzenbuches ist jenes unverwechselbare Ingenium des Künstlers Menzel enthalten, das diese Blätter zu kleinen Meisterwerken, lyrisch-spontanen Bildern des privaten Lebens mit Verwandten und Freunden erhöhte. Seine poetischen Darstellungen der Schwester Emilie sind der liebenswerteste Ausdruck von Vertrautheit und Zuneigung, die die Familie Menzels zeitlebens miteinander verband. Aber auch viel Sehenswertes aus dem Berln der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts hielt Menzel zeichnerisch fest: seien es nun Tierstudien, Musiker beim Spiel, Stadtszenen oder minutiös wiedergegebene Natur; die Studien zeigen dieselbe bewegte Formensprache und Sensibilität, denen auch das malerische Schaffen Adolph Menzels seine bleibende Faszination verdankt.
Auszug
Im Januar 1840 richtete Menzel folgende Worte an seinen Verleger:
»Herr J.J. Weber Wohlgeb:
erhält hierbei die Zeichnungen zum ganzen 8ten Kapitel, und eine ins 9te. Aber so, wie die mir zuletzt übersandten Andrücke der Pariser dürfen sie nicht werden, denen Monsieurs, welche die Sachen geschnitten, oder vielmehr verschnitten, bitte ich, von meinetwegen wissen zu lassen, daß ich mir eine solche schlingelhafte Mißhandlung meiner Zeichnungen ein,= für alle mal verbitte. Nun die Herren die Bestellung haben, meinen sie wohl, lüderlich arbeiten zu dürfen? Was nützt meine Liebe und mein Studium, die ich an die Sache wende, wenn sie in einer solchen Gestalt vor das Auge der Welt treten. ... Schnell und billig haben bei Unternehmungen derart doch nur so lange Werth, als sie eine gute Arbeit liefern. Ich lebe in der größten Unruhe, wie roh man in Paris mit den Zeichnungen, jetzt schon umgehen mag, die ich Ihnen am 23ten December vorigen Jahres schickte, wessen soll ich mich bei den jezt beifolgenden Sachen versehen, wo alles auf Geschicklichkeit und Genauigkeit ankommt?... Die Pariser verdienen ungeheuer gerüffelt zu werden, und ich bitte dringend, recht bald, ehe dort durch Nachlässigkeit noch mehr verhunzt wird. Nun endlich zu etwas Angenehmeren: Die 4 ersten Druckbogen haben meine Erwartung übertroffen. Ich wünsche bloß daß alle Exemplare des ganzen Werks so gedruckt erscheinen mögen....«