"Ich steuere meine Maschine die Decatur Street entlang, tiefer ins French Quarter hinein. Der Motor schnurrte gleichmäßig." - Faith Hunter, Skinwalker
Gleich zu Beginn des Buches wird der Leser in die Handlung geworfen und findet sich in den Straßen New Orleans wieder, wo Jane auf dem Weg zu ihrer neuen Auftraggeberin ist. Es gibt keine einleitenden Erklärungen und kein Anfangsgeplänkel, sondern Faith Hunter kommt gleich zur Sache und fesselt den Leser vom ersten Satz an. Danach geht es dann ruhiger, aber nicht weniger spannend, weiter. Die Jagd nach dem Rouge rückt ein bisschen in den Hintergrund und stattdessen erfährt man viel über die Vampire New Orleans und deren Probleme, aber auch über ihre Verhaltensweisen. Der Rouge taucht immer mal wieder auf, mordet und versetzt die Stadt in Angst und Schrecken, doch bis zum Schluss ist nicht klar, wer und vor allem was er ist.
Erhöht wird die Spannung noch durch die undursichtigen, aber gut durchdachten Charaktere. Jeder der Vampire macht sich irgendwie verdächtig und auch Rick LaFleurs Geheimniskrämereien brachten mich dazu, ihm skeptisch gegenüber zu treten.
Mit Jane Yellowrock hat Hunter eine unerschrockene, taffe Protagonistin geschaffen, die sich nicht scheut, auch mal zu zuschlagen. Ausgeglichen wird dies jedoch durch eine weiblichen Seite, die Shoppen mag und sich um ihre beste Freundin und deren Familie sorgt. Ihre Liebe für Tee gibt ihr eine weitere persönliche Note, die zu einer gelungenen, runden Figur macht.
In Janes Körper lebt aber noch eine weitere Seele, Beast. Sie tritt hervor, wenn Jane ihre Gestalt wandelt. Beast liebt die Jagd und verabscheut die Erfindungen der Menschen.
"Ich strecke mich und huste, als ich diese hässlichen Menschen-Dünste rieche:
der Atem von Autos, der Gestank von Müll, der Schimmel an den Wänden der Menschen-Baue, Farbe, Plastik, Polsterung, der Geruch von Hundeurin." - Faith Hunter, Skinwalker, S.366
Sie ist durch und durch ein Raubtier, rabiat, mit einer nüchternen Sicht der Dinge. Im Laufe der Geschichte erfährt man mehr darüber, wie die beiden zusammen kamen und langsam, aber sicher hat sich auch Beast in mein Herz geschlichen.
Faith Hunter bedient sich einer einfachen Sprache mit großer Wirkung. Besonders eindrucksvoll dabei sind die Gerüche und Geräusche, die sie beschreibt. Sie saugen einen tief in die Welt der Handlung und lassen New Orleans und sein Einwohner lebendig werden. Während des Lesens konnte ich die schwüle Hitze auf meiner Haut spüren, die Auto, den Fisch und die Gewässer riechen. Großartig!
Mit "Skinwalker - Feindesland" hat Faith Hunter Urban-Fantasy geschaffen, die Spaß macht. Im Vordergrund stehen die Jagd nach dem Rouge, die Vampire in Janes Umfeld und Janes vergessene Vergangenheit, mit Liebeleien und Affären wird sich nicht aufgehalten. Wer Lust auf eine Jagd durch New Orleans an der Seite einer unerschrockenen Heldin hat, sollte zu diesem Buch greifen! Das einzige Manko ist, dass der zweite Teil der Reihe erst im März 2012 erscheint.