Erinnert ihr Euch noch an den Jungen aus "About a Boy", der immer so seltsam gekleidet war und Will Freeman alias Hugh Grant so lange auf die Nerven ging, bis dieser ihn zur Tür herein und in sein Leben ließ? Gegen Ende des Films schmetterten beide etwas neben dem Ton, aber dafür umso leidenschaftlicher "Killing Me Softly With His Song". Fünf Jahre nach dem "Tag der toten Ente" ist aus Nicholas Hoult ein attraktiver junger Mann geworden, dessen Singstimme sich merklich verbessert hat und der seither in etlichen Film- und Serienproduktionen unterwegs ist.
Dazu zählt auch die Adoleszenz-Serie "Skins", die nicht nur in Großbritannien zum Hit wurde. Erzählt werden die Geschichten von befreundeten Jugendlichen, die in Bristol den schmerzlichen Prozess des Erwachsenwerdens durchleben. Einmal mehr versuchten sich die Amerikaner mit kanadischer Unterstützung an einem Remake und scheiterten nicht nur an den Zuschauerzahlen, sondern auch an einer Protestwelle aufgebrachter, amerikanischer Eltern. So ist es zwar erlaubt, in den Staaten televisuell immer wieder Gewalt und Serienkillermentalitäten zu thematisieren, doch bei Teenagern, die sich wie eben solche benehmen, hört der Spaß auf. MTV zog nach nur einer Staffel des Kopierversuchs den Stecker.
Die Briten haben zum Glück eine weit höhere Schmerzschwelle. Im Land des schwarzen Humors muss man schon gehörig tiefstapeln, um die Grenze des guten Geschmacks auch nur anzukratzen. Dass man die geistige Gesundheit der eigenen Jugend gefährdet, weil man es mit ungeschöntem Realismus versucht, befürchtet hier niemand. Bryan Elsley und Jamie Brittain (Vater und Sohn) kreierten mit "Skins" eine Serie, in der sich heutige Jugendliche wiederfinden können. Natürlich gehört es dazu, dass die Kids die Nächte durchfeiern, sich die Kante geben, bis der Kopf in der Kloschüssel hängt, Drogen wie Smarties einwerfen oder das elterliche Heim mit Spaghetti dekorieren. Und seien wir ehrlich - während der Pubertät muss man einfach ein bisschen Banane sein. Schließlich geht diese Phase des Lebens mit einem überforderten Hormonhaushalt einher.
Doch "Skins" wäre nicht realistisch, ginge es nur darum, Partys zu feiern und sich durchs sexuelle Testgelände zu kämpfen. Die Jugendlichen sind klug und talentiert. Sie sind mutig und so manches Mal verantwortungsbewusster als ihre eigenen Eltern. Und neben all den komischen Situationen, die sich daraus ergeben, dass die Protagonisten eben noch nicht erwachsen sind, gibt es für die Jungs und Mädchen auch harte Lektionen zu lernen. Im Kampf der Generationen fluchen sich besonders die Väter durch ihre elterliche Fürsorgepflicht. Fast gewinnt man den Eindruck, sie tun es weit häufiger als ihre Sprösslinge. Doch diese Konflikte sind noch das geringste Problem. In den ersten drei Staffeln geht es um Magersucht und Psychotherapie, die sexuelle Identität, gebrochene Herzen, ungeplante Schwangerschaft, Loyalität und Betrug. Und es geht um Verlust in jeglicher Form. Einige der Kids trifft es härter, andere weniger. Doch letztlich können sie mit der Unterstützung ihrer Freunde auch die schlimmsten Situationen überstehen. (ausführliche Rezension inklusive Bildmaterial und Zitaten auf BritTV.de)
tellyvisions hat die ersten drei Staffeln schon einmal am 01.04.2011 veröffentlicht. Nun folgte am 23.03.2012 eine Komplett-Box eben dieser Staffeln. Neben der deutschen und der englischen Tonspur gibt es enorm viel Bonusmaterial. Untertitel fehlen hier leider gänzlich, aber wie man von anderen tellyvisions Veröffentlichungen weiß, ist das eine echte Ausnahme. Wer die einzelnen Staffeln noch nicht besitzt, dem ist die 3er-Box absolut zu empfehlen. Bleibt zu hoffen, dass FOX Channel Deutschland die Ausstrahlung der Serie auch hier noch fortsetzen kann.