Yves Sente und Grzegorz Rosonski sind in Deutschland eher unbekannte Künstler. Umso lobenswerter ist es, dass der Verlag schreiber & leser sich diesem Kunst-Comic angenommen und ihn hier veröffentlicht hat.
Skarbek ist ein Maler. Und genau wie seine Werke, so sind auch die Bilder des Comics stilvolle Aquarelle. Schon das unterscheidet den Band von vielen anderen aus dem Genre. Hier hält man eher ein kleines Kunstwerk in der Hand als eine Spaß-Lektüre. Das Spiel mit Licht und Schatten ist wunderbar gelungen und die Charaktere sind durch markante Merkmale immer leicht wieder zu erkennen.
Auch die Handlung selbst ist keine leichte Kost. Graf Skarbek erzählt vor Gericht seine tragische Geschichte, die wir als Leser Stück für Stück in Bildern miterleben dürfen. Man fühlt sich selbst wie einer der Zuschauer im Gerichtssaal. Der Leser bleibt seltsam unbeteiligt, auch die tragischsten Geschehnisse wirken eigentümlich entrückt. Trotzdem kann man sich kaum von den Seiten lösen. An einigen Stellen werden die Geschehnisse in Form von kurzen Zeitungsausschnitten zusammengefasst. Die natürlich sehr reißerisch formulierten Texte stacheln die Neugier zusätzlich an.
Immer hat man im Hinterkopf, dass auch das, was uns Skarbek erzählt, nur seine Sicht der Dinge ist, und man fragt sich, was noch alles hinter dem Offensichtlichen versteckt ist. Leidenschaft und Leid haben in diesem Comic gleichermaßen einen Platz gefunden und existieren fast schon schmerzvoll parallel zueinander.
Aber Vorsicht: Wer die komplette Geschichte lesen möchte, sollte sich unbedingt auch den zweiten Teil zulegen, denn die Handlung bricht abrupt ab. Ein Band ohne den anderen zu lesen wird nur enttäuschen, beide zusammen ergeben jedoch ein absolut lesenswertes kleines Comic-Kunst-Meisterwerk.