"Ich habe Euch nicht die Freiheit gebracht, sondern hier bei Euch gefunden."
(Gjergj Kastrioti, genannt Skanderbeg nach der Eroberung von Krujë)
Die im Jahre 1953 entstandene albanisch-russische Co-Produktion "Skënderbeu" (Velikiy voin Albanii Skanderbeg) des Regisseurs Sergei Yutkevich ist dem Leben, Wirken und Mythos des albanischen Nationalhelden gewidmet, dem vom Papsttum der Titel "Athleta Christi" verliehen wurde.....
....im Jahre 1423 muss der nordalbanische Fürst Gjon Kastrioti als Zeichen der Unterwerfung seine vier Söhne an den osmanischen Hof in Adrianopel ausliefern. Gjergj, der jüngste Sohn wird Angehöriger des Pagenkorps des Sultans, konvertiert zum Islam und tritt in das osmanische Heer ein. Als "Iskander" (Alexander) erreicht er infolge seiner militärischen Erfolge den Generalsrang und bekommt vom Murad II. den Titel eines Bey (Beg) verliehen. Im November 1443 nutzt Skanderbeg die Niederlage der Osmanen gegen die Ungarn bei Nis, um mit 300 albanischen Landsleuten von der osmanischen Armee zu desertieren und mit ihnen nach 20 Jahre in seine Heimat zurückzukehren. Er erobert die Festung Krujë, schwört dem Sultan und dem Propheten ab, um einen Abwehrkampf zu führen, der bis zu seinem Tode (1468) ein Vierteljahrhundert wären sollte...
Die historischen Ereignisse des Films sind chronologisch und inhaltlich im Großen und Ganzen durchaus korrekt wiedergegeben. Z. B. Skanderbegs Gründung "Liga von Lezhë", seine Heirat mit Marina Donika, der Tochter des Fürsten Gjergj Arianit Komneni, der Verrat seines Neffen Hamza Kastrioti usw. Die Inszenierungen und die Dialoge des Farbfilms sind jedoch in ihrer Art schwarzweiß, denn sie verklären einerseits die albanischen Freiheitskämpfer zu den "Guten" verklärt werden(die im Angesicht der Invasoren zur Wahrung der nationalen Einheit auch die Pflicht zur "Gjakmarrje" zurückstellen). Andererseits werden neben den "barbarischen" osmanischen Aggressoren, auch die Venezianer und der serbische Thronprätendent Brankovic als verräterische Schurken dargestellt. Einige Szenen sind daher eher in pathetischer Art gehalten, als in einer historisch realen Darstellung. Die filmischen Darstellungen sind auch ein Spiegelbild der politischen Verhältnisse und in den frühen 1950er Jahren, als Albanien und die damalige Sowjetunion gegen Titos Jugoslawien verbündet waren. Besonders deutlich wird dies noch mal durch die Schlussszene in der die Flagge Skanderbegs weht, allerdings in der kommunistischen Version (1946-1992), mit einem in gelber Farbe eingefassten Sowjetstern....
Das 1954 für zwei Preise des Cannes Film Festival nominierte Epos (von dem es den International Prize/Spezial Mention erhalten hat, kann neben grandiosen Aufnahmen der albanischen Landschaft auch mit authentischen Kostümen, Musik und Tänzen aufwarten. Neben einen Schlachtenszenen gibt es viel künstliche Studiokulisse, z. B. beim Dogen von Venedig. Leider wurde die 120minütige Originalversion um ein Viertel ihrer Länge gekürzt, was sich in abrupten Szenenwechseln, mitunter auch 'abrissen deutlich macht. Daneben werden die nicht im Film dargestellten Ereignisse mit Hilfe von eingeblendeten Texttafeln vermittelt.
Summa Summarum ist die bisher einzige Verfilmung eines wichtigen Kapitels, nicht nur der albanischen, sondern auch der europäischen Geschichte als Klassiker (aufgerundet) mit vier Amazonsternen zu bewerten....
.....und lässt den geschichtlich interessierten Cineasten auf eine baldige angemessene Neuverfilmung deises einzigartigen historischen Stoffes hoffen.