Ein Mann wird verurteilt, weil er seine Frau ermordet hat. Er selbst beteuert seine Unschuld, aber niemand glaubt ihm. Auf dem Weg ins Gefängnis verunglückt der Gefangenentransport; der Verurteilte überlebt und kann fliehen. Nein, es war kein Zugunglück, sondern ein Flugzeugabsturz, der Verurteilte ist kein Arzt, sondern ein erfolgreicher Hollywood-Regisseur, und er heißt auch nicht Richard Kimble, sondern Toby Challis. Soviel zunächst zur Einzigartigkeit der Handlung. Challis erfährt erste Hilfe von wohlmeinenden Menschen, die ihm seine Unschuld glauben. Obwohl er seit dem Absturz offiziell als verschollen, wenn nicht gar als tot gilt, scheint sich niemand von seinen halbseidenen Freunden, an die er sich wendet, großartig über sein Wiederauftauchen zu wundern. Er kann sich vor großzügigen Angeboten, das Land unauffällig zu verlassen und sich eine neue Existenz aufzubauen, kaum retten, zieht es aber vor, auf eigene Faust den wahren Täter zu finden. Außer von Morgan Dyer, der Frau, die ihm Unterschlupf gewährt, findet er hierfür aber keine Unterstützung. Bald zeigt sich auch, warum: Je mehr er sich der Wahrheit nähert, desto größere Lawinen an Lügen und Korruption bringt er ins Rollen. Hollywood eben.
Thomas Gifford führt uns ins Hollywood-Milieu. Seine Charaktere entsprechenden den gängigen Klischees: Die Männer machtbesessen, die Frauen drogensüchtig. Der Autor versucht Authentizität durch sehr gequält wirkendes Namedropping zu erzwingen, außerdem assoziiert der Protag gerne mal das aktuelle Geschehen mit Szenen aus alten Hollywoodschinken - Reminiszenz an den Remington Steele der Achziger oder Hilflosigkeit - das sei dahingestellt. Die Handlung ist durchweg schlüssig, und auch die Auflösung enttäuscht nicht. Der Autor präsentiert uns seine Geschichte trotz einiger überraschend auftauchender Querverbindungen linear, indem er dankenswerter Weise auf die unsäglichen und überflüssigen Vorwärts-und-Rückwärts-Zeitsprünge zwischen den Kapiteln verzichtet, mit denen Autoren regelmäßig die Leserschaft zu nerven pflegen.
Alles in allem ein leidlich lesenswertes Buch, wenn man nicht unbedingt grundlegend neue Ideen erwartet.