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Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung
 
 
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Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung [Broschiert]

Jens Bergmann , Bernhard Pörksen
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert
  • Verlag: Halem; Auflage: 1., Aufl. (Februar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3938258470
  • ISBN-13: 978-3938258477
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 359.166 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Unerhört!

Die Journalisten suchen ihn, das Publikum liebt ihn, die Mächtigen fürchten ihn: den Skandal.

Welche Ereignisse lösen öffentliche Empörung aus? Welche nicht? Wem nutzt, wem schadet der Eklat? Und wozu führt er? Lassen sich Skandale bewusst produzieren und kontrollieren? Wie wehrt man sich dagegen, an den Pranger gestellt zu werden? Streitbare, überraschende und berührende Antworten geben 30 Menschen von denen etliche aus eigener Erfahrung sprechen. Zu Wort kommen: das Entführungsopfer Natascha Kampusch, die ehemalige CSU-Rebellin Gabriele Pauli, der Soziologe Ulrich Beck, der Radrennfahrer Patrik Sinkewitz, der Medienanwalt Matthias Prinz, der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, der Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock, die Schauspielerin Desirée Nick, der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Erich Böhme, der Lyriker Sascha Anderson und viele mehr.

Über den Autor

Jens Bergmann ist Geschäftsführender Redakteur des Wirtschaftsmagazins brand eins. Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft.


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen "Die Jagd nach Skandalen ist nicht selten selbst skandalös", 17. Februar 2009
Von 
Arne Hoffmann (Springen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung (Broschiert)
Von 1996 bis 2006 hat sich das Vorkommen des Wortes "Skandal" in der deutschen Presse fast verdoppelt. Das ist aus mehreren Gründen bemerkenswert, wie die Herausgeber des Buches in ihrem ausführlichen Vorwort erläutern: Als "Skandal" bezeichnete Vorkommnisse stärken gesellschaftliche Tabus und Normen, aber auch die Macht derjenigen Medien, die dieses Etikett wählen. Gleichzeitig lasse sich der Skandal paradoxerweise als "journalistischer Betriebsunfall" verstehen, denn das Bemühen um Objektivität und Differenziertheit trete hinter die Aufregung zurück. Während sich Journalisten mit dem vermuteten "gesunden Volksempfinden" verbünden, werden Individuen geopfert: Für die Menschen, die von der Empörungswelle erfasst werden, endet auch ein im öffentlichen Bewusstsein längst verschwundener Skandal nie. Sie bleiben oft ein Leben lang gezeichnet. Als Beispiel nennen die Herausgeber den ehemaligen Bundestagspräsidenten Jenninger, der auch zwei Jahrzehnte nach seiner skandalisierten Rede mit keinem Journalisten mehr sprechen möchte. Dabei könne im Zeitalter der neuen Medien jeder zum Objekt kollektiver Empörung werden. Zugleich sei es nur logisch, dass gerade infolge eines Verschwindens politischer Gegensätze der Skandal als offenbar mangelnde Integrität Einzelner eine Hochphase erlebe.

Das in dieser Einleitung Gesagte lassen 28 Studierende der Universität Hamburg in angenehm kritischen und gut vorbereiteten Interviews konkret werden. Die Palette der Befragten ist bunt: Natascha Kampusch findet sich dort ebenso wieder wie Thilo Bode und Catherine Millet. Und sie alle haben etwas zu sagen - ob sich der ehemalige Stasi-Spitzel Sascha Anderson durch den Bekenntniswahn unserer Gesellschaft an die DDR erinnert fühlt oder Ulrich Beck befindet, es könne einem fast Angst machen, dass die drohende Klimakatastrophe zum allgemeinen Glaubensbekenntnis geworden sei. Wie die Medien die vor Gericht geltende Unschuldsvermutung aushebeln, schildert die SPIEGEL-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen anhand eines Missbrauchsprozesses, bei dem die Angeklagten zwar freigesprochen wurden, aber jetzt jeder ihre Gesichter kenne: "Ärzte behandeln sie nicht mehr; aus Bussen wurden sie von einigen Mitmenschen hinausgeworfen." Und die CSU-Abtrünnige Gabriele Pauli äußert Grundsatzkritik an den Journalisten: "In der Kommunikationswissenschaft geht man davon aus, der Pluralismus der Medien führe dazu, dass man sich seine Meinung aufgrund der Vielfalt frei bilden könne. Aber die Praxis sieht anders aus. Über manches wird wie gleichgeschaltet berichtet, über anderes gar nicht."

Alles in allem ist "Skandal!" ein Buch, wie man es sich wünscht: fesselnd, flott zu lesen, Erkenntnis bringend und relevant. Ich kann es empfehlen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Empfehlenswerte Lektüre, 15. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung (Broschiert)
Interviews mit Prominenten liest man in jedem Blättchen, mal halbwegs gut geführte, in der Regel aber sehr an der Oberfläche kreisende Gespräche. Nicht nur deshalb ist das von Bergmann und Pörksen herausgegebene Buch eine mehr als rühmliche Ausnahme. Auf jeder Seite, ja, in jeder Frage spürt man, wie tief die Studierenden ins Thema gehen, nachfragen und auch überhaupt keine Scheu vor kritischen Situationen mit Promis haben. Von solcher Lust an gutem Journalismus wünscht man sich mehr!

Von manch einem Studierenden werden wir - wenn sie weiterhin so arbeiten -noch einiges hören in der Zukunft!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Fragwürdige Vorgänge im Scheinwerferlicht der Vernunft, 9. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung (Broschiert)
'Skandal!' schreit das Cover dem potentiellen Leser in einem schmutzigen Orangeton entgegen. Mit diesem Akt der Verlautbarung reiht sich das Werk ein in denselben Prozess, der im eigenen Vorwort konstatiert wird, nämlich die Überanspruchung der Skandalisierung durch die Medienlandschaft. Dieses Cover wirkt i. m. A. unentschlossen zwischen nüchterner Allmacht des Wortes und reißerischer Aufmachung des Titels. Ein symbolträchtiges Foto wäre hier wahrscheinlich die bessere Lösung gewesen.

Dieses Buch über Medienskandale fährt eine bunte Mischung an Charakteren auf, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und auch die mehr oder weniger prominenten Interview-Partner dieser Autoren spannen einen üppigen Schirm an Moralvorstellungen und Lebensentwürfen auf, u.a. Erich Böhme, Natascha Kampusch, Darryn Lyons, Catherine Millet, Matthias Prinz und Günther Wallraff kommen zu Wort.

Hat man das informative, doch etwas langatmige Vorwort samt Einleitung gelesen, eröffnet sich dem Leser die Welt von 29 Interviews, die das Thema Skandal aus Sicht der Verursacher, der Profiteure, der Sündenböcke, der Verhinderer, Aufputscher und der Steuermänner zu beleuchten versuchen. Jedes dieser Interviews wird eröffnet durch ein Foto des Interviewten sowie einen kurzen Einleitungstext. Nach dem eigentlichen Gespräch findet sich noch eine gute halbe Seite mit einem kurzen Lebenslauf des Interviewten. Ein Lob gilt hier den Interviewten, die offenbar keinen Wert auf beschönigende Wiedergabe oder Bildbearbeitung gelegt haben, sondern zu authentischen Fotos angehalten werden konnten. Es ist ein Verdienst der Herausgeber, diese desillusionierende, aufklärerische Grundhaltung auch auf der visuellen Ebene so konsequent durchzuhalten. Ich möchte dazu raten, die Kurzvita der Befragten am besten noch vor dem Lesen des Interviews zurate zu ziehen, so derjenige oder diejenige einem nicht persönlich vertraut ist.

Unter der Leitung der beiden Herausgeber Jens Bergmann und Bernhard Pörksen haben insgesamt 28 studentische Autoren an diesem Band mitgewirkt, von denen 19 Frauen und neun Männer sind. Es ist einigen Interviews deutlich anzumerken, dass der hohe weibliche Anteil zu sehr einfühlsamen Ergebnissen geführt hat.

Wer nun eine Art Ratgeber erwartet, der einen sukzessiv von der Konstruktion eines Skandals bis zu seinen letzten Nachwehen erklärend an die Hand nimmt wie eine Art gebildete Kindergärtnerin, der sitzt einer Fehlannahme auf. Vielmehr kann man sich die Interviews als unterhaltsame Gespräche mit Menschen vorstellen, die ihre Erfahrung im Umgang mit öffentlichem Interesse schildern. Diese Interviews sind deshalb gut, weil ihnen eine profunde Vorbereitung der Autoren zu entnehmen ist. Diese Gespräche sind selbst, teilweise muss man sagen: leider, nicht skandalös. Mitunter mag hier aggressives Potential verschenkt oder abgeschmirgelt worden sein. Auch liegen die Momente der aufflammenden Bekanntheit in vielen Fällen (Röbel etc.) bereits Jahre zurück. So stellen die Gespräche eher einzelne Teile eines dreidimensionalen Puzzles dar, die nicht anstreben zwingend ein einheitliches Ganzes sein zu wollen und auch nicht sämtlich miteinander verknubbelt sind. Doch, wenn man so will, so findet man auf jeder Motivrückseite in kleinen blauen Lettern statt 'Ravensburger Ravensburger Ravensburger' in jeglicher Variation 'Skandal Skandal Skandal'.

Ich persönlich hatte den Eindruck, dass als Ausgangsbasis der Gespräche mitunter philosophische Positionen der Stoiker dienten, auch habe ich Nietzsches Theorie der missverstandenen Mündigkeit dreimal aufblitzen sehen, doch mag es sein, dass ich mich an dieser Stelle irre.

Den jungen Autorinnen und Autoren, die zum Teil gar nicht mehr so jung sind, ist in jedem Fall zu wünschen, dass sie ihre Neugierde nicht verlieren und weitere Versuche im Feld des Journalismus unternehmen. Viele Fragen sind gute Fragen. Sie suchen nicht die Verlautbarung und nehmen Abkehr von der oberflächlichen Dümmlichkeit, die in Fernsehen und Printmedien Überhand genommen hat.

Es ist ganz und gar erstaunlich, was hier zwischen zwei Buchdeckeln Platz gefunden hat. Leider entspricht die Verarbeitungs- und Materialqualität des Buches nicht den hohen Zielen, die inhaltlich angestrebt werden: Papierqualität und Bindung sind stark verbesserungswürdig.

Mein Fazit: Ich würde das Buch noch einmal kaufen. Doch ich habe es ja schon.
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