Vorweg gesagt: die wenigsten Autoren merken wann es Zeit ist einen Serienhelden sterben zu lassen. Nicht so Michael Dibdin. Nachdem sein Held Aurelio Zen, der venezianische Commisssario in seinen Abenteuern von Rom aus eine Reise durch ganz Italien hinter sich hat, landet er in diesem wahrscheinlich letzten Roman in Sizilien. Für kundige Leser ist klar - die in früheren Büchern immer befürchtete Strafversetzung ist Wahrheit geworden. Doch Sizilien ist nicht mehr was es einmal war. Zwar gibt es nach wie vor im Belagerungszustand lebende Staatsdiener, zwar dezimieren sich örtliche Mafiafamilien immer noch wie in besten Zeiten, doch die echten Schlachten werden längst an anderen Orten geschlagen. Im Internet, in Amerika, in Rußland - überall eben aber kaum noch in Sizilien wie es scheint. Doch so recht will die Rolle des Folkloreganoven zu den örtlichen Mafiosi nicht passen. Gerade als Zen sich in seinem sizilianischen "dolce far niente" wohlzufühlen beginnt, stolpert seine Adoptivtochter bei ihrer Arbeit über Lücken im Netz der Staatsanwaltschaft. Wenig später ist Sie tot. Zens Mutter stirbt unter rätselhaften Umständen in Rom, er selbst wird zwangsbeurlaubt, ermittelt auf eigene Faust weiter und trifft auf ein Gruppe von Polizei- und Justizbeamten mit höchst eigenwilligem Berufsethos. Im alltäglichen Behördenkampf um Budgets, Beförderungen und öffentliche Aufmerksamkeit haben sie einen neuen Weg zum Erfolg gefunden. An längst erloschenen Krisenherden legen sie erneut Feuer, hetzen so die alten Clans gegeneinander auf und schon findet sich der renitente Zen mitten in einem Schattenkrieg zwischen "Regierungs-" und "Privatwirtschafts-"Mafia. Das Ende vom Lied kommt wie der treue Leser es schon lange erwartet hat. Aber ist es wirklich das Ende?
Den Leser erwartet Spannung von der ersten bis zur letzten Seite, vermengt mit viel sizilianischer Leichtigkeit aber auch dem für Commissario Zen so typischen bitteren Beigeschmack. Dibdins Ironie sorgt dafür, daß dem Leser auch in harten Szenen ein Lachen über die Lippen kommt. Hinter dem gesamten Buch steckt viel Fachwissen und eine gute Regionalkenntnis. Bereits nach wenigen Seiten hat man das Gefühl in Sizilien eingetaucht zu sein, um nach der letzten Zeile nahezu erschrocken in die Realität zurückzukehren.