M. Nights erster Film mit Howard im Boot. Natürlich ist "The Sixth Sense" ein Klassiker und ein Meisterwerk, das sich heute noch vom üblichen Hollywoodkino abhebt und nach wie vor fasziniert. Was dabei anscheinend etwas ins Dunkle gerückt wurde, ist die beeindruckende Filmmusik von James Newton Howard. Hier sehen wir sein erstes Werk in der Shayamalan/Howard- Zusammenarbeit. Warum ist das so interessant? Weil ich finde, dass jedes Werk von ihm zu einem von Nights Filmen ein kleines Musikmeisterwerk ist. Immer schafft er es zwischen Horror und melancholischer Schönheit zu wandern, so auch hier.
30 Minuten umfasst die CD nur und das ist wirklich etwas kurz. Bei mir kommt es aber immer auf die Qualität an und nicht auf Quantität (wobei 15 Minuten Scores, wie bei "For A Few Dollars More" oder "National Treasure - Book Of Secrets" schon etwas arm sind...). Und Qualität und Anspruch hat diese Musik alle Mal zu bieten.
Howard benutzt hauptsächlich zwei Themen: Zum einen das wunderschöne und zugleich geheimnisvolle Motiv für Cole, was gleich in "Run To The Church" voll zur Geltung kommt. EIn Thema, das sehr subtil aber effektiv den Charakter von Cole beschreibt.
Dann das Thema für Malcolm, das im nächsten Track erklingt und am Meisten benutzt wird. Im Vergleich zu Coles Thema, ist dieses sehr dramatisch und tragisch angelegt, was ja auch wieder perfekt in den Film passt.
Natürlich gibt es auch die dunklen und unheimlichen Stellen: "De Profundis", "Suicide Ghost", "Hanging Ghost" und besonders "Kyras Tape" haben etwas absolut Beunruhigendes. Zwar benutzt Howard hier viele bekannte Horrorelemente, aber setzt diese gekonnt ein, besonders die geisterhaften Chöre im Hintergrund sind faszinierend und jagen einem eine Gänsehaut über den Rücken! So schafft es der Komponist, dass man sich beim Hören wirklich unwohl fühlt und es mit der Angst zu tun bekommt. Ich habe den Score mal Nachts gehört und ich werde es nie wieder tun!^^
Dennoch ist das Markenzeichen dieser fantastischen Musik, dass Howard immer wieder wechselt zwischen Momenten, die einem dem Atem rauben oder Szenen, bei denen man mit den Tränen kämpfen muss. Und so baut er die Spannung immer weiter auf, bis zum grandiosen Höhepunkt und zwar dem letzten Titel:
Gleich vorweg, wer den Film noch nicht gesehen hat und sich nicht spoilern lassen will, der sollte nicht den letzten Tracknamen lesen! Deshalb werde ich ihn hier auch nicht nennen.
Genannter letzter Track ist das packende Finale, in dem nicht nur der Score zum Höhepunkt ausläuft, sondern auch der Film (das berühmte, grandiose Ende von "The Sixth Sense"). Malcoms Thema in seinem ganzen Glanz, wundervoll mit einem sanften Schluss.
Im Film funktioniert die Musik noch besser, was aber auch an der unglaublichen Bildstärke des Films liegt. Zudem ist das Spiel von Haley Joel Osment und Bruce Willis großartig! Trotzdem ist diese Musik ein Schmuckstück, ein kleines, aber kräftiges Schmuckstück. Die 30 Minuten sind zeitlos, wenn man aufmerksam zuhört und sich auf eine Berg und- Talfahrt der Gefühle begibt. Klare Kaufempfehlung für einen (typisch) grandiosen Soundtrack von James Newton Howard!