Ich muß gestehen, das ich vor dem Kauf der Box skeptisch war, wie wohl hier mit dem Tod umgegangen wird. Wird Gevatter Tod zynisch, flapsig, ehrfurchtsvoll, emotional, respektlos oder pietätvoll gezeigt werden?
Die Antwort: Von allem ein bißchen.
Der Aufbau der Episoden ist oft derselbe; einer oder mehrere Menschen werden im Augenblick ihres Todes gezeigt, mit einer kurzen Vorgeschichte dazu.
Alle Verblichenen landen am Ende bei dem Bestattungsunternehmen Fisher & Sons in L.A. - und um diese Familie, ihre Freuden und ihr Leid, ihre Erfahrungen im täglichen Umgang mit dem Ende menschlichen Seins, mit der Trauer, mit dem Schmerz der Hinterbliebenen - darum dreht sich in dieser Serie alles.
Gerade eben habe ich die letzte Episode dieser unglaublichen Reihe gesehen und bin emotional immer noch dermassen aufgewühlt, wie es noch nie ein Film oder eine Fernsehserie vermocht hatte. Obwohl ich mir sonst bei jedem Film bewußt bin, hier wird nur geschauspielert, es ist nicht 'echt', was hier passiert, geriet dieses Bewußtsein hier total in Vergessenheit, so sehr nehmen einen die Geschichten um die Familie Fisher persönlich mit.
Erfreulich fand ich auch, das mit Themen wie Sexualität (auch im Alter), Homosexualität und persönlichen Traumata sehr frei und ungezwungen umgegangen wird. Nicht der verdruckste, über allem schwebende, moralische Zeigefinger, der sonst stets für US-amerikanische Produktionen typisch ist.
Den Machern der Serie kann man gar nicht genug danken, das sie sich dieses Tabuthemas angenommen haben und dabei eine Sorgfalt (bei wirklich allen Aspekten) haben walten lassen, die man tatsächlich selten sieht: da sind die Drehbücher, die immer die perfekte Balance zwischen Trauer und Emotion einerseits und andererseits aber auch gelegentliches Aufblitzen (schwarzen) Humors bieten, ein hervorragendes Schauspielerensemble, das immer sein Bestes gibt sowie ein stets authentischer Umgang mit den täglichen Praktiken eines Bestattungsunternehmens, wie man in einem Special im Anschluß von 'echten' Bestattern erfährt. Die Serie vermeidet konsequent jeden emotionalen Kitsch, etwas, das bei US-Serien nicht immer der Fall ist.
Zudem ist die letzte Episode der mit Abstand beste Abschluß einer Serie, die ich jemals gesehen habe.
Fazit: unbedingt ansehen! Selbst Menschen, die einen persönlichen Verlust erlitten haben, können hier Tröstliches entdecken. Diese Box selbst mag spärlich ausgestattet sein, aber Six Feet under selbst entschädigt für alles.