Ich würde dieses Buch keinem ernsthaften Papageienfreund empfehlen, da es schlicht und einfach zu oberflächlich und größtenteils auch inhaltlich zu kritisieren ist. Wichtige Themen wie die Frage nach den Vor- und Nachteilen der Einzel-, Paar- oder Gruppenhaltung werden in wenigen Zeilen abgetan, Informationen zur richtigen Unterbringung von Papageien sind kaum vorhanden und es wird im gesamten Buch an keiner einzigen Stelle über die Biologie und das Freileben dieser Vögel geschrieben, was meiner Meinung nach bezeichnend ist und viel darüber aussagt, aus welcher Einstellung heraus hier an die Papageienhaltung herangegangen wird. Unter der Überschrift "Kann er sprechen lernen?" findet man den Hinweis, dass Papageien den Menschen als "Artgenossen" betrachten und deshalb wohl nichts lieber tun, als seine Sprache nachzuahmen (darüber, ob eine derartige Tier-Mensch-Beziehung bei Papageien überhaupt empfehlenswert ist bzw. ob Papageien als nicht domestizierte Wildtiere mit sehr komplexem und sensiblen Sozialverhalten in diese Haustierrolle überhaupt gedrängt werden sollten, wird selbstverständlich kein Wort verloren), dass berufstätige Papageienhalter ihren Tieren über eine Zeitschaltuhr Radio und Fernsehgerät zur Unterhaltung bieten sollen, dass man die im Handel erhältlichen Tonkassetten mit recht witzigen Texten zum Sprechtraining verwenden sollte, undsoweiter. Im Artenteil erfährt man weiterhin, dass Graupapageien zumindest anfangs am besten einzeln gehalten werden, damit sie auch richtig zahm werden und sprechen lernen. Über die Fachkompetenz des Artenteils lässt sich überhaupt streiten: Wenn nicht einmal Rußköpfchen von Schwarzköpfchen unterschieden werden können oder Tarantas für die Einzelhaltung empfohlen werden, kann man wohl oder übel davon ausgehen, dass hier schlecht oder überhaupt nicht recherchiert wurde. Im Großen und Ganzen einfach haarsträubend, was Neulingen in Sachen Papageien (sicherlich die Zielgruppe dieses Ratgebers) an Informationen vermittelt wird. Unterstrichen wird dieses Bild von etlichen Fotos, beispielsweise einem Wellensittich mit Spiegel und einer Blaustirnamazone mit Käfig a`la "Papageiengefängnis" im Hintergrund, die Küsschen gibt. Fazit: Hände Weg, es gibt bei Weitem bessere Ratgeber auf dem Markt, die diesen Namen auch wirklich verdient haben. (Beispiel: "Ihr Hobby, Papageien" von Stefan Luft, oder wer es ausführlicher und wissenschaftlicher mag: "Papageienkunde" von Werner Lantermann bzw. artenspezifische Literatur vom gleichen Autor)