Dieses nicht alltägliche Buch, handelt auf der paradiesischen Insel Mauritius.
Hier gibt es tausende von Frauen die in den Textilfabriken für die Menschen in der ganzen Welt sehr günstig arbeiten. 7 Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr
Das sind massive gesundheitliche Belastungen, an denen jedes Jahr einige sterben.
Bei einem Kongress auf der Insel Reunion wird die junge Sita sexuelle Gewalt angetan. Sie versucht das Ereignis aus ihrem Gedächtnis zu streichen.
Sie leidet für sich alleine und verdrängt den Schmerz und ihre Pein.
Aber das Geheimnis kommt immer wieder durch und überwältigt sie eines Tages.
Sie kommt nicht zur Ruhe und als sie wieder auf der Insel Réunion ist, kommt alles wieder hoch. Sita bekommt Panik, aber sie ist doch "die starke Frau"
Anscheinend furchtlos setzt sie sich in dem Kampf nach der Unabhängigkeit und die Gleichberechtigung der Frauen ein. Sie wird die "Anwältin der Notleidenden und Bedrängten" genannt. Jetzt ist sie selber bedrängt. Die Vergangenheit holt sie ein.
Sie benötigt Hilfe und bekommt die auch von Ihren Freunden.
Nun ist sie endlich soweit, das Schweigen aufzuheben und die Erinnerung an das Geschehen zu erneuern . . . .
Mein Fazit
Die Geschichte erzählt fast mit psychologischen Ansätzen, über das Leiden und die Pein der Menschen, denen Gewalt angetan wird.
In vielen Fällen wird geschwiegen um die Gesellschaft mit deren Peinlichkeiten nicht zu brüskieren. Auch haben viele Opfer Ängste vor der Realität und der nochmaligen Aufarbeitung der Ereignisse - Es wird geschwiegen und in sich hineingefressen.
In dem Fall von Sita kommt das Vergangene aber in heftigen Angstanfällen wieder an die Oberfläche und muss nun aufgearbeitet werde.
Das Ereignis schreit förmlich nach "erzähle endlich von mir"
Sita muss tief in das Ereignis "hinabsteigen" um es ein für alle mal zu "erledigen" und sich davon zu befreien.
Im Verlauf des Buches wird auch beschrieben wie heilend solche "Outung" sein kann.
Zur Geschichte des Buches
1993 erschienen - Original "The Rape of Sita" wurde es sofort durch den Premierministers Aneerood Jugnauth zensiert. Es sei eine "Ungeheuerlichkeit gegen die öffentliche und religiöse Moral" - in Mauritius strafbar nach § 206 Strafgesetzbuch. Gleichzeitig wurde Lindsey Collen von Hindu-Fundamentalisten massiv an Leib und Leben bedroht.
Für "Sita und die Gewalt" bekam Lindsey Collen den Commonwealth-Preis: bester Roman aus Afrika 1994. Die Jury betonte, dass hier "Vergewaltigung ein durchaus komplexes und zugleich subtiles Symbol für Sklaverei, Zwangsarbeit und Kolonialismus wird".
Der Commonwealth-Preis, die Unterstützung der US-Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" und Proteste von Frauengruppen aus aller Welt zeigen Wirkung. Es wurde keine Anklage erhoben.
Lindsey Collen kämpft bis heute weiter.