Brad Warners zweites Buch (das erste habe ich nicht gelesen) ist eine Auseinandersetzung mit der "Bibel" des Soto-Zen, dem Shobogenzo des Meisters Dogen. Eigentlich habe ich rein gar nichts erwartet, denn: solche Werke, die einen flapsigen Tonfall pflegen und ihre Irreverenz wie kitschige Medaillen auf der Brust tragen, sind meist nur bessere Klolektüre. Weit gefehlt; Warners Buch IST flapsig, irreverent, kindisch und respektlos - und dabei tiefgründig und wunderbar. In einer Sprache, die stets dem (wahren) Punk-Ethos verpflichtet ist, erläutert er wichtige Aspekte der Lehre Dogens wie nebenbei, so dass sogar Leute, die mit Buddhismus und Zen rein gar nichts am Hut haben, davon profitieren können. Für mich ist Dogen ein starker Begleiter geworden; dieses Buch ersetzt die eigene Arbeit mit dem Shobogenzo natürlich nicht, aber in Brad Warner hat Dogen ein starkes und menschliches Sprachrohr für unsere Zeit gefunden.