Ausgehend von den gesellschaftlichen Veränderungen seiner Zeit und der Tatsache, dass die Familie ihre traditionelle pädagogische Funktion nicht mehr allein wahrnehmen kann - da eine allgemeine Unsicherheit in allen Wert- und Gesellschaftsfragen vorherrscht - entwickelt Siegfried Bernfeld seine umfassende Kritik an der Pädagogik, der Erziehungswissenschaft und nicht zuletzt an der ideologischen Durchtränkung dieser.
In den von Verunsicherung gekennzeichneten Zeiten des beginnenden 20. Jahrhunderts wächst in der Bevölkerung das Bedürfnis nach einer erprobten Erziehungslehre die, wenn sie schon nicht zu dem gewünschten Ziel führt, doch zumindest das sichere Gefühl vermittelt al-les menschenmögliche für die positive Entwicklung des Kindes getan zu haben.
Bernfelds Hauptkritikpunkte sind einerseits die Empirielosigkeit der Erziehungswissenschaft, die es unmöglich macht Theorien auf ihre Gültigkeit hin zu untersuchen und andererseits ihre ideologische Durchtränkung, womit sie zu einem herrschaftsstabilisierendem Instrument wird. Um sich von diesem Status der Unwissenschaftlichkeit zu lösen ist es notwendig, dass die Pädagogik ihre herrschaftsstabilisierende Funktion erkennt und sich von dieser emanzipiert. Denn durch die materielle Bedingtheit jeder historisch vorfindbaren Organisation der Erzie-hung ist die Voraussetzung für eine Veränderung im Erziehungsbereich eine vorausgehende gesellschaftliche Veränderung. Somit ist auch die „Reformidee" der Erziehung in sich falsch, da weder durch die Ausbreitung von Musterinstitutionen, noch von Erziehern die zu „hoch-stehend sittlicher" Persönlichkeit erziehen eine Reform ausgehen kann. Denn das Bürgertum würde niemals dem Proletariat gleiche Anteile am gesellschaftlichen Reichtum zugestehen. Die Erziehungseinrichtungen lokalisiert Bernfeld als Ort der Vertuschung, die Gleichheit und Gerechtigkeit nur vortäuschen. So sieht er beispielsweise die versteckte Aufgabe der Schule darin, eine grundlegende Akzeptanz der bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu schaffen, die von den Pädagogen maßgeblich mit verdeckt werden.
Das Sisyphossymbol verdeutlicht dabei die Pädagogik, die den Felsblock der pädagogischen Mittel unentwegt auf den „Idealberg" wälzen muss und dabei doch immer wieder herunter ge-stoßen wird. Jedoch sind es nicht die edlen Ziele die Bernfeld beklagt, sondern die Tatsache, dass die Erziehung zur Verwirklichung dieser Ziele missbraucht wird ohne diese zu hinterfragen.
Letztendlich bestimmt Bernfeld die drei Grenzen der Erziehung: die soziale Grenze, die jede Bemühung etwas an der Erziehung zu verändern bevor eine gesellschaftliche Veränderung eingetreten ist verurteilt. Die seelische Tatsache des Erziehers, dessen Beziehung zum Kind unweigerlich in eine Ödipusbeziehung gipfeln muss und der immer von zwei Kindern, dem zu erziehenden vor ihm und dem verdrängten in ihm bestimmt wird. Und drittens die Erziehbar-keit des Kindes, deren Konstitution und Veränderbarkeit eine wichtige Rolle spielt.
Siegfried Bernfelds Buch ist kein Ausarbeitung einer pädagogischen Idee sondern vielmehr eine Ideologie- und Gesellschaftskritik. Mittels der Verbindung von marxistischer Theorie und Psychoanalyse analysiert er die Selbsttäuschung der Pädagogen und der bürgerlichen Pädagogik, die sich einbilden eine Wissenschaft zu sein ohne die tatsächlichen Erziehung in ih-rer gesellschaftlichen Funktion in den Blick zu bekommen und dabei nicht sieht, dass sie die postulierten Ziele unter den gegebene Bedingungen nicht erfüllen kann. Dabei lassen sich durchaus Parallelen zu Pierre Bourdieus „Illusion der Chancengleichheit" oder der kritischen Psychologie von Klaus Holzkamp ziehen.
Letztendlich scheint jedoch die Verknüpfung von Marxismus und Psychoanalyse nicht mehr zeitgemäß zu sein, da sie doch zu reduktionistisch vorgeht.