Vielen zeitgenössischen Kritikern scheint "Daydream Nation" das beste Sonic Youth-Album zu sein, immer wieder wird man mit der Nase darauf gestoßen. Natürlich ist es gut, aber mir persönlich gefällt "Sister" noch um einiges besser, vielleicht, weil ich schon bei Erscheinen Sonic Youth-Fan war und ihre musikalische Entwicklung verfolgt habe. Damals war ein neues Album der New Yorker Band jeweils eine Art Quantensprung, und "Sister" war ein ganz besonders intensiver. Zwar hat das Album erstmals ausschließlich klare Songstrukturen, diese werden aber getragen von der unermüdlichen Energie ihres im Punk, bei den Stooges und Velvet Underground beheimateten Lärmuniversums. Mir fallen keine adäquaten Begriffe ein, um die rasante Intensität ihrer Gitarrenorgien zu beschreiben, die Musik ist zeitlos und neu zugleich, und ebenso scheinen die sechziger Jahre zurückgekehrt zu sein, hundertfach verstärkt. Die danach erschienene "Daydream Nation" bot hier keine wirkliche Weiterentwicklung, sie war nur genausogut und für mich damit dann doch weniger spektakulär.