"Sirius" war das erste Clannad-Album, das ich zu hören bekam und es hatte Schock-Potential: Anstatt des erwarteten Folks wurde ich mit unkonventionellem 80er Rock konfrontiert. Zum Glück ließ die Skepsis nach einiger Zeit so weit nach, dass ich mir nach und nach sämtliche anderen Alben dieser Band kaufte und so in den Genuss etwas Clannad-typischerer Musik kommen konnte.
Aber auch wenn der recht amerikanische Stil und die stark von Gastmusikern getragene Instrumentation dieses Albums selbst manche Fans irritieren, kann man Clannad nicht vorwerfen, sich einen großen Fehltritt geleistet zu haben: Die Qualität der Lieder stimmt! Die Texte sind interessant, die Melodien angenehm und eingängig. Selbst der Sound besitzt, wenn man sich daran gewöhnt hat, viele Stärken.
Gut zu wissen ist auch, dass trotz aller Mainstream-Elemente und der schmerzlich fehlenden gälischen Texte noch immer so etwas wie ein Clannad-Herz in dieser Musik schlägt. Es mag daran liegen, dass aus den von Ciarán und Pól Brennan geschrieben Liedern eine Leidenschaft und Überzeugung spricht, die wohl von keinem Produzenten kleinzukriegen ist. Auch Moyas Stimme fehlt es, selbst wenn sie irgendwie ganz anders klingt als sonst, nicht an Kraft.
Das ausschlaggebende Argument, diesem Album vier anstatt drei Sterne zu geben, sind für mich die beiden Bonus-Tracks, die zu meinen liebsten Clannad-Songs überhaupt gehören. Insbesondere "World of Difference" besticht durch seine interessanten Harmonien und seine einzigartige Atmosphäre, die sich zwischen tieftraurig, geheimnisvoll und (aufgrund des Jazz-Einflusses) cool bewegt. Allein dieses Lied wäre schon ein Grund, sich trotz aller Bedenken für dieses Album zu entscheiden.
Empfehlen würde ich '"Sirius"' besonders jenen Hörern, die auch ungewohnten Klängen gegenüber aufgeschlossen sind und nicht die Gewohnheit haben, Musik nach dem ersten Hören in eine Schublade zu stecken.