"Sirenen" erzählt die Geschichte des Polizisten Nathan, der, wie könnte es in einem Djian anders sein, jede Menge Ärger hat, vor allem mit Frauen. Aber seine persönlichen Probleme sind ein Witz im Vergleich zu dem Horror, der in der Welt tobt: Ein Mädchen wird von einem Sadisten zu Tode geprügelt, Globalisierungsgegner und Polizei haben sich einen blutigen Krieg erklärt und wohin man blickt, regieren Hinterlist, Paranoia und Egoismus. Auch Nathan ist keine Spur besser als die Welt, in der er lebt, obgleich er sein bestes tut, sie ein wenig zum positiven zu verändern - was schließlich zu einem der schwärzesten Finale führt, die Djian je zu Papier gebracht hat.
Was sich anfangs wie ein klassischer Roman des französischen Ausnahmeautoren liest, wird im Laufe der Zeit zu einem irrsinnigen Reigen von enttäuschter Hoffnung, Verrat und Mord. Die Figuren des Romans kämpfen einen aussichtslosen Kampf gegen den Rest der Welt, gegen die harte Realität des Lebens, und am Ende zerbrechen sie daran. Das tragische Ende in "Betty Blue" trug noch einen Funken Verlierer-Romantik in sich. "Sirenen" ist eine wütende Abrechnung mit der Welt des 21. Jahrhunderts, und von so etwas wie einer underdog-Romantik zu sprechen, wäre hier absolut verfehlt. Das ist schwärzeste Zeitkritik, vorgetragen mit einem beißendem Humor und einem Tempo, das einem den Atem raubt.
Die letzten 200 Seiten habe ich in einem Stück verschlungen. Vielleicht nicht Djians bestes, aber sicherlich sein härtestes Buch