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Für viele ist sie die neue große Hoffnung im Operngeschäft. Längst ist sie kein Insider-Tipp mehr, son-dern eine, mit der man rechnen muss, rechen kann, rechnen darf: die Sopranistin Anna Prohaska. Wenn man die zierliche Sängerin mit dem wachen Blick sieht, glaubt man kaum, dass sie bereits ein Jahrzehnt Bühnenerfahrung vorzuweisen hat und mittlerweile in Sachen Rollenangeboten schon mal das „Neinsagen“ lernen muss!! Oder wie sie es selbst so schön formuliert: „… es ist Quatsch, dass meine Karriere zu schnell gegangen sein soll. Eigentlich ging das langsam, ich habe eben nur sehr früh angefangen. In diesem Jahr kann ich mein elftes Bühnenjubiläum feiern, ist das etwa zu früh für größere Rollen?“
Nein, ist es nicht, wenn man sie so singt und gestaltet wie Anna Prohaska. Sie gibt ein „phantas-tisch bösartiges, aus der Welt gefallenes Blondchen“ ebenso wie sie „den richtigen Verdi-Ton mit ihrem kessen, traurigen, ahnungslosen Oscar im ‚Maskenball’“ trifft. Und sie ist eine phänomenale, von Ehrgeiz und Machtgier getriebene Poppea, noch dazu in die herrlichen Christian Lacroix-Kostüme gewandet - in Händels melodienseliger, antiker Sex & Crime-Saga „Agrippina“.
Dass sie allerdings auch ganz anders kann, als den quirligen „Bühnenfeger“ mit der glockenhellen Stimme zu geben, beweist Anna Prohaska, wenn sie ganz allein auf einer Bühne steht und als Lied-sängerin in selten länger als fünfminütigen Miniaturen eine Welt erschafft, die mindestens ebenso fasziniert und in Bann schlägt, wie eine große Opernrolle. Das schaffen in ihrem Alter und mit ihrer Berufserfahrung nur wenige. Der deutsche Liedsänger par excellence, Thomas Quasthoff, hatte das frühzeitig erkannt und seiner „Musterschülerin“ am Ende der Ausbildung eine glatte Note 1 zugestanden - etwas, was er in seiner langjährigen Professorenlaufbahn noch nie getan hatte!
Deshalb liegt es nur nahe, dass Anna Prohaska ihr Debüt als Deutsche Grammophon-Künstlerin nicht mit einer Arienplatte à la „Schaut mal, was ich alles singen kann“ gibt, sondern mit einem klug erdachten und makellos vorgetragenen Liedprogramm unter dem Titel „Sirenen“: Lieder über jene schillernden, verführerischen und segen- wie todbringenden Wesen, denen Komponisten aus vier Jahrhunderten Musikgeschichte klingende Denkmäler gesetzt haben – von Dowland und Purcell, über Joseph Haydn, Schubert und Mendelssohn bis hin zu Debussy, Fauré und Szymanow-ski. Alles andere als „easy listening“, aber faszinierend vom ersten bis zum letzten Ton.
Im Mai wird Anna Prohaska in der Berliner Philharmonie in drei Konzerten mit Claudio Abbado ihr stupendes Können unter Beweis stellen. Im Sommer singt sie das Eröffnungskonzert der Salzburger Festspiele und verkörpert später auch noch Mozarts gewitzt-durchtriebene Kammerzofe Despina in der diesjährigen „Così fan tutte“-Produktion.
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