Seit meinem ersten Kauf eines Buches von Rüdiger Nehberg vor über 25 Jahren hat mich beinahe jede Neuankündigung seiner weiteren Werke mit Spannung und Vorfreude erfüllt.
Wenn auch in einigen der letzten Publikationen für den eifrigen Leser der Bücher von "Sir Vival" manchmal bereits ein leises Gefühl von Enttäuschung über wiederholte Fakten bzw. Erlebnisse aufkam und sich auch der Gedanke - besonders bei seinen Werken, welche sich nicht mit Menschenrechts- bzw. Survivalfragen beschäftigen - immer häufiger aufdrängte, dass es vermutlich von Verlagsseite nur noch um die "Ware Nehberg" geht.
Leider scheint dieses Werk nur allzu genau dem negativen Trend oder vielleicht besser gesagt dem wirtschaftlichen Zeitgeist zu entsprechen.
Denn wer die wichtigsten Projekte von Rüdiger Nehberg kennt, oder ihn auf seinen mitreißenden und hochinteressanten Vorträgen erlebt hat, wird in dieser Veröffentlichung wenig Neues finden.
Außerdem scheint dieses Buch ganz offensichtlich mit viel zu heißer Nadel gestrickt worden sein. Häufige Wiederholungen innerhalb dieses schmalen Bandes machen leider ausgerechnet dieses wohl persönlichste Werk meiner Meinung nach handwerklich zum schwächsten aller Nehberg-Bücher. Wollte der Verlag in letzter Minute das Geburtstagskind beschenken oder hat sich der Autor diese Veröffentlichung gewünscht?
Dass Nehberg selbst auf dieses Buch gedrängt hat, scheint eher unwahrscheinlich; auch wenn er vom Büchlein als "Spiegelbild meiner selbst" schreibt. Es ist kaum vorzustellen, dass sich der ständig voller Pläne steckende und in Zeitnot befindende Kämpfer für Menschenrechte unbedingt die Zeit stehlen wollte um teilweise sogar Banalitäten aus seinem Privatleben als Resümee in dieses Büchlein zu packen.
Wie man im Kapitel "Alltag" erfährt, hält das Projekt "Target" das Ehepaar Nehberg ständig auf Trab und für seine Frau Anette Weber ist bei dieser Arbeit "ein 24 Stunden Tag schon fast die Norm".
Auf den knapp 200 Seiten selbst wiederholen sich leider immer wieder meist bekannte Fakten; fast wirkt es so, als wenn sich um Essays bzw. unveröffentlichte Abschnitte handelt, welche für frühere Bücher gedacht waren. Auch zwischendurch Danksagungen an Schutzengel, Freundinnen, Allah oder andere machen das Buch kaum interessanter. Wirklich schade, denn sein Schreibstil ist wie immer flüssig und mit Witz und Selbstironie gewürzt und vermag den geneigten Leser durchaus mitzunehmen.
Vermutlich hat also der Malik Verlag den 75. Geburtstag von "Sir Vival" zum Anlass genommen ein weiteres Buchprojekt mit seinem erfolgreichen Autor zu starten.
Die Ankündigung des Verlages auf dem Buchtitel, dass es sich um Rüdiger Nehbergs persönlichstes Buch handelt mag man noch gelten lassen, aber dass sich der Autor "den großen Lebensfragen stellt" ist schon sehr übertrieben.
Für Leser, die mehr über den Menschen Rüdiger Nehberg erfahren wollen, sei seine Autobiografie empfohlen. Um den unermüdlichen Kämpfer für Menschenrechte am 4.Mai ein Geburtstagsgeschenk zu bereiten, sollte man den Buchpreis aber nicht hauptanteilig dem Verlag, sondern alleine Nehberg und damit seiner Organisation "Target" zukommen lassen