In der Öffentlichkeit präsente Menschen erfreuen sich kurz nach ihrem Ableben normalerweise einem allgemeinem Interesse - plötzlich lechzen wieder Leute nach den Hinterlassenschaften ihrer Idole, denen sie gefühlte zwanzig Jahre lang nur die kalte Schulter zeigten und plötzlich deren Beerdigung beiwohnen möchten. Für Sir Edmund reckte niemand sein tränenverschmiertes Gesicht in die nächste Kamera, heuchelte niemand Mitleid angesichts der Hinterbliebenen eines Mannes, der stets still daherkam und trotzdem das Verständnis der Welt neu definierte. Wer nicht mit bombastischen Lasershows die Massen elektrisiert, seinen nackten Hintern einem Millionenpublikum präsentiert, ist schneller vergessen, als man seinen Namen aussprechen kann, wenn er nicht einmal Drogen- und Alkoholexzesse vorweisen kann. Wie sollte also ein Bienenzüchter aus Neu Seeland wahre Aufmerksamkeit erregen? Schließlich zeigte er nur, wozu der Mensch mit all seinen Selbstzweifeln fähig ist, wie er Entbehrungen und Strapazen ohne Wehklagen erleidet, um ein selbstgestecktes Ziel zu erreichen. Und dann stand er auf dem Gipfel des Mount Everest- dem Dach der Welt - im Beisein eines Sherpas, der den altertümlichen Fotoapparat nicht zu bedienen wusste, und so gibt es nicht einmal einen handfesten Beweis dafür, dass er wirklich dort oben Schnee, Eis und Stürmen trotzte. Lohnt sich das Lesen von knapp 370 Seiten über einen Bergsteiger, der das damalige Interesse der Gazetten nicht für sich, sondern für die Bergvölker im Himalaya nutzte? Eindeutig ja, denn die Autorin Alexa Johnston zeichnet den Weg von Edmund Hillary gewissenhaft nach, weist darauf hin, dass der Sir noch andere, nicht minder gefährliche Abenteuer absolvierte, deren wirtschaftliche Zuflüsse er unermüdlich für den Bau von Schulen und Krankenhäuser in Nepal spendete. Eine Existenz zwischen Scheitern und Erfolg, ein Mann zwischen Familie und Fernweh, der dennoch im Einklang mit sich und der Natur lebte - eine vorbildliche Persönlichkeit! Gedenken wir seiner Taten statt dem Gezappel einiger an den Fäden des Managements baumelnden Personen, die vom großen Geld träumen.