Mit dem 1997er Album Buena Vista Social Club gelang es Cooder, nicht nur einen Grammy zu gewinnen, sondern auch das Auge der Musikwelt auf eine kleine Karibikinsel zu lenken, das einen ungeheueren Reichtum an Rhythmus und Musik in sich birgt. An diese Karibikerfahrungen knüpft sein neues Album Mambo Sinuendo an. Stilistisch ist Mambo Sinuendo ein Combo-Sound, so wie er in der Vor-Castro-Ära der 50er Jahre populär war. Im Gegensatz zum Buena Vista Social Club hat sich Cooder diesmal für eine betont kleine Besetzung entschieden, ohne Bläser und ohne Gesang. Der instrumentelle Schwerpunkt des Albums liegt auf der Gitarre und dem Schlagzeug. Die Lead-Gitarre, wenn man das überhaupt so bezeichnen kann, spielt Manuel Galbán, Mitglied der vermutlich populärsten Gruppe des Landes, den Los Zafiros, die eher harmonischeren Teile übernimmt Ry Cooder. Darüber hinaus haben die beiden auf die übliche Percussions-Gruppe verzichtet. Sie haben erkannt, dass auf Kuba über die letzten Jahrzehnte hinweg immer die gleichen Rhythmusinstrumente verwendet wurden, ob nun zu Salsa, zu Mambo oder zum Rumba. Diese statische Beziehung haben Cooder und Galbán bewusst durchbrochen, indem sie hier an Stelle der üblichen Percussions mit Schlagzeugen arbeiteten; ja, richtig gelesen, mit zwei Schlagzeugen, darunter Jim Keltner, einem der besten seines Faches.
Im Gegensatz zu dem, was hierzulande unter dem Begriff Mambo subsummiert und nach wie vor durch Lou Bega popularisiert wird, ist Mambo Sinuendo ein ungemein entspanntes Album geworden. Cooder bezeichnete die CD in einem Interview unlängst als ein herrlich besoffen klingendes Album. Das trifft es genau: Wer die Augen schließt, findet sich schnell in einer verräucherten Bar unter dem hölzernen Deckenventilator wieder, den Cuba Libre auf dem Tisch, sich locker des Tanzkurses erinnernd, als einem das "Vor-Seit-Schritt-Zurück" noch feuchte Hände bereitete. Wie entspannend Mambo doch sein kann, wenn er von den Richtigen vorgetragen wird.