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1997 stellten die Geologen Walter Pitman und William Ryan die erste wirklich neue Erklärung der Sintflut seit über 150 Jahren vor. Ihre Untersuchungen von Ablagerungen im Schwarzen Meer haben sie davon überzeugt, daß das Gewässer bis etwa 5600 v. Chr. ein Süßwassersee gewesen war. Als das steigende Wasser des Mittelmeers durch den Bosporus brach, "ergossen sich täglich über 40 Kubikkilometer Wasser in den See, das zweihundertfache der Menge, die täglich über die Niagarafälle stürzt".
Mit großer intellektueller Kühnheit haben sich Pitman und Ryan aus ihrer wissenschaftlichen Nische herausgewagt und behaupten, daß dieses Ereignis enorme Konsequenzen für die Geschichte der Menschheit mit sich brachte. Sie führen Beweise aus dem Bereich der Archäologie, der Mythologie, der Sprachwissenschaft und der Landwirtschaft zusammen, um eine von der Flut vertriebene Diaspora von frühen Bauernkulturen zu beschreiben. Einzelne Untergruppierungen dieser Menschen entwickelten sich auf unterschiedliche Weise zu den Ur-Indoeuropäern, den Sumerern, den Tocharern und den anderen Gründern der alten Kulturen Europas und des Vorderen Orients. --Mary Ellen Curtin
»Aus einer Fülle von Mosaiksteinen setzten die Autoren ein Bild zusammen, das in sich stimmig wirkt. Der Wissenschaftsreport ist zudem spannend geschrieben, so daß auch der Laie das Buch mit großem Gewinn lesen wird.« Neue Westfälische
Lange bevor prächtige Paläste und Minarette die Ufer des Bosporus säumten, war er kaum mehr als eine schmale Ablaufrinne, durch die Süßwasser aus dem Schwarzen Meer ins Mittelmeer floß. Dann verkehrte der weltweit steigende Meeresspiegel die Verhältnisse auf dramatische Weise. Plötzlich stürzte Meerwasser mit der zweihundertfachen Gewalt der Niagarafälle durch den Bosporus; das ungeheure Donnern war wenigstens hundert Kilometer weit zu hören. - Ist es möglich, so überlegen Dr. Walter Pitman und Dr. William Ryan, daß die von der Flut vertriebenen Menschen zumindest teilweise für die Ausbreitung des Ackerbaus in Richtung Europa sorgten und Fortschritte bei der Landbewirtschaftung und Bewässerung im Süden, in Anatolien und Mesopotamien, in Gang setzten? - Und könnte es sein..., daß die Flutkatastrophe vom Schwarzen Meer so nachhaltig wirkte, daß sie später für die Erzählung von einer großen Flut Pate stand, die wir im babylonischen Gilgamesch-Epos und in der Bibel finden? John Noble Wilford, The New York Times
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Doch was ist, wenn da mal wieder jemand stark übertrieben hat? Was ist, wenn diese Katastrophe doch nicht so total war? Wenn dieses Ereignis doch nicht alle Menschen auf dem Erdenrund betraf?
Die namenhaften Geophysiker Pitman und Ryan bieten uns nun eine Lösung der Katastrophe an. Ihre Untersuchungen am Bosperus, dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer belegen: die Katastrophe hat stattgefunden, jedoch nicht so weltumspannend wie es die Religionen, welche sich auf das alte Testament stützen, sagen!
Vor 7.600 Jahren ergoß sich durch den Bosperus eine salzige Todesflut in das damalige fruchtbare Schwarze Meer, welches zu diesem Zeitpunkt wesentlich kleiner, dafür aber ein Süßwassermeer war. Diese Katastrophe, welche sich innerhalb weniger Wochen und Monate vollzog vertrieb Hundertausende von Siedlern, wahrscheinlich sogar eine der frühesten Hochkulturen, die Proto-Sumerer, aus ihrer Heimat.
Die Vertriebenenwelle schwappte bis Westeuropa, Zentralasien, China, Ägypten und das Zweistromland. Genetische, linguistische und archäologische Indizien scheinen dies zu belegen. Vieles läßt vermuten, daß die Nachfahren die Berichte von der Sintflut über Jahrtausende tradierten, bis sie schließlich zu den Mythen wurden, die uns bis heute so faszinieren. Die Juden klauten die Berichte von den sumerischen Stämmen, diese wiederum bedienten sich der Erzählungen der Proto-Sumerer und verwandelten es in Ihre eigene Historie.
Die Sintflut hat also stattgefunden, und wo sie stattfand ist heute nur eines: brackiges, schwarzes Wasser und Salz...
Wie in einem Krimi, bei dem man den Mörder schon kennt, geht es in der Folge darum zu erfahren, warum und wie er es getan hat aber v.a. wie man ihm auf die Schliche gekommen ist. Genauso bei der Sintflut.
Die beiden Autoren, die im Laufe der Geschichte als handelnde Personen (in der Er-Form) auftauchen, sind absolut rational denkende Naturwissenschaftler. So darf man dann auch erwarten, dass jede Behauptung und jede Hypothese, die als Puzzleteile die Abläufe erklären, welche letztlich zur Flut, der daraus resultierenden Fluchten und Mythen führen, wissenschaftlich analysiert, hinterfragt und bewiesen werden. Dies geschieht auf sehr kurzweilige, fast schon flockige Art, wie man es von einem "wissenschaftlichen" Text nicht unbedingt erwartet. Die Argumentation erscheint zu jedem Zeitpunkt zwingend logisch. Es wird den meisten Lesern so gehen (wie mir), dass man Schluss überzeugt ist: "Genau so muss es gewesen sein!" Mit einigem Abstand wird man immer noch sicher sein: "so könnte se jedenfalls gewesen sein."
Die eigentliche Erzählung folgt ungefähr chronologisch dem Zeitpunkt der wissenschaftlichen Erkenntnisse und setzt im frühen 19. Jh. ein. Bis zu diesem Zeitpunkt sahen sich die Wissenschaftler unseres Kulturkreises berufen, Beweise zu liefern für die Wahrheiten, die in der Bibel stehen (z.B. für die Sintflut). Die Abkehr von dieser Vorgehensweise wird nachvollziehbar.
Schwerpunkte bilden einerseits archäologische Ausgrabungen und andererseits Untersuchungen des Meeresbodens. Man erfährt mit welchen Problemen Smith und Co. bei der Entschlüsselung von Keilschrifttafeln Mitte des 19. Jahrhunderts zu kämpfen hatten und wie ein interdisziplinäres, internationales Team von Wissenschaftlern zur Theorie eines vor ca. 7 Mio. Jahren ausgetrockneten Mittelmeeres fand und wie diese Theorie bewiesen wurde. Überhaupt zeigen die Autoren sehr spannende Einblicke in interdisziplinäres und streng wissenschaftliches Arbeiten, was das Buch sehr Wertvoll macht.
Weiteren Aufschluss gibt der Klappentext:
Jahrtausendelang hat die Legende von einer großen Flut in nahöstlichen Mythen wie dem Gilgamesch-Epos und in der Bibelerzählung von Noah überdauert, doch nur wenige Archäologen glaubten, dass eine so gigantische Überschwemmung wirklich stattgefunden hat. Nun aber haben zwei renommierte Geowissenschaftler eine sensationelle Entdeckung gemacht: die überzeugenden Beweise für eine katastrophale Flut vor 7600 Jahren in dem Gebiet um das heutige Schwarze Meer.
Das Ende des Kalten Krieges ermöglichte es Walter Pitman und William Ryan, in Zusammenarbeit mit bulgarischen, russischen und türkischen Ozeanographen das Gewässer zu erforschen. Mit Sonar und Bohrgeräten untersuchten sie seinen Boden und entdeckten deutliche Hinweise darauf, dass dieses Salzwassermeer einst ein isolierter Süßwassersee war, der tief unter dem Niveau der - durch das Schmelzwasser der Eiszeit - anschwellenden Weltmeere lag. Raffinierte Methoden der Altersbestimmung ergaben, dass sich die salzigen Fluten der Ozeane vor 7600 Jahren plötzlich durch das enge Bosporus -Tal in den Binnensee ergossen; sie begruben die Ufer unter sich und zerstörten oder vertrieben alles Leben auf ihrem Weg Der "Schwarze See", zuvor eine fruchtbare Oase in einer versteppten Region, ein Garten Eden für eine fortgeschrittene menschliche Kultur, war zu einem Meer des Todes geworden, vor dem die Menschen flohen, um nie wiederzukehren.
Die Autoren beleuchten die frappierenden archäologischen, genetischen und linguistischen Indizien, die nahe legen, dass die Flut eine schnell wachsende Flüchtlingswelle in Bewegung setzte, die sich bis nach Westeuropa, Zentralasien, China, Ägypten und zum Persischen Golf ausbreitete. Vieles spricht dafür, dass auch die geheimnisvollen Proto-Sumerer vom Schwarzen Meer stammen, die in Mesopotamien die erste Hochkultur der Menschheit schufen - die Urzelle unserer eigenen. Und einiges lässt vermuten, dass Ihre Nachfahren die Berichte von der Sintflut über Jahrtausende tradierten, bis sie schließlich zu den Mythen wurden, die uns bis heute so faszinieren.
Die namhaften amerikanischen Geophysiker Walter Pitman und William Ryan forschen und lehren seit vielen Jahren am Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University, New York. Beide haben zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und wurden für ihre Forschungen auf dem Gebiet der Meeresgeologie u. a. mit der Francis P. Shepard Medal ausgezeichnet. Ihre spektakulären Erkenntnisse über die Sintflut gewannen sie durch Untersuchungen im Mittelmeer und im Schwarzen Meer.
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