Als großer Fan des Weltraumstrategiespiels Sins of a Solar Empire stand für mich seit Monaten fest, dass die Trinity Edition irgendwann her muss, weil ich die beiden AddOns haben wollte. Ich fand die deutsche Version zu "preiswert", also war es diese für mich. Für manchen Interessenten mag erwähnenswert sein, dass die Installation trotzdem komplett auf Deutsch erfolgen kann (mit der Sprachausgabe und den Menüs). Ich hatte das so nicht erwartet. Nur das Handbuch und das Poster sind natürlich englisch, aber sie passen eh nicht zu den AddOns, also ist das zu verschmerzen. Wer das Basisspiel bereits besitzt und installiert hat, kann sich auch das dortige Handbuch in einen separaten Ordner ziehen und weiterverwenden. Hat denselben Effekt wie das englische Manual.
Zum Gameplay und dem Vergleich mit SoaSE-Basis:
Beim Start des Spiels (weiterhin bequem ohne eingelegte CD möglich) bekommt man eine altbekannte und durch Trinity erweiterte Auswahl, ob man SINS original, mit dem 1. Addon Entrenchment oder dem 2. Diplomacy spielen möchte. Es sei mir bitte verziehen, dass ich hier die englischen Bezeichnungen verwende. Diese getrennte Auswahl ist wohl wegen des beliebten Multiplayermodus vorhanden, da man sich nicht mit anderen Spielern vernetzen kann, wenn diese nicht auf demselben AddOn-Stand sind. Ich habe natürlich prompt mit Entrenchment begonnen, obwohl Diplomacy später kam und mehr kann.
Erst einmal die Entrenchment-Kritik. Ich muss zugeben, dass ich ein gewisser Vanilla-Anfänger sein kann. Ich arbeite mich gern von unten nach oben, was die Schwierigkeit angeht. So vermeide ich für mich halt Frust, obwohl viele Spieler das gerne anders machen.
Im 1. AddOn erhält man im Vergleich zum Basisspiel die Möglichkeit, Sternenbasen zu bauen (nach entsprechendem Forschungsfortschritt) und Minenfelder in den eigenen Sektoren zu legen. Außerdem gibt es einige wenige neue Schiffe wie etwa eine Torpedofregatte. Gerade die Basen sind sehr sinnvoll,weil sie mit 8 Slots ausbaufähig sind und man sich entscheiden kann, wofür man sie braucht. Handel, Offensivkraft, Werft, Reparaturdock usw. Damit entlastet man Sektoren mit wenigen Infrastrukturslots erheblich. Die Minenfelder fand ich persönlich nicht so toll,weil sie nicht breit genug sind und irgendwie nicht genug Schaden anrichten (nur bei kleinen Feinden, nicht so sehr bei großen). Außerdem arbeiten dann sämtliche Konstruktionsschiffe ewig an den einzelnen Minen. Den Torpedokreuzer habe ich noch nicht so stark genutzt,denn ich habe noch nicht alles voll ausgereizt und teste noch herum.
Was mir sehr stark auffiel, war die Veränderung des Balancings im Vergleich zum Originalspiel. Der Gegner baut nach meinem Empfinden zielgerichteter und mehr Schiffe. Auf leicht wurde ich dann plötzlich von einer doch recht großen Flotte angegriffen, die ich so aus der Basisversion nicht kannte und war erst einmal verdutzt. Ich finde, das hat sich in Diplomacy (2. AddOn) wieder mehr relativiert, weil das Balancing dort erneut verändert wurde.
Kommen wir nun also auch zum Diplomatieaddon. Es führt neue Änderungen ein und braucht das 1. als zwingende Vorraussetzung (also hat man auch hier die Basen und Minen). Hier wird der Fokus auf einen weiteren neuen Bereich der Ingame-Forschung gelegt, namentlich die Diplomatie (der restliche Techtree wurde nebenbei bemerkt auch weiter unterteilt etwa in anwählbare Abteilungen wie Verteidigung, Angriff usw.). Man kann mehr Interaktionen mit den Mitspielern (real oder KI) eingehen. So kann man jemandem auch Piraten auf den Hals hetzen oder leichter Transaktionen (welcher Art auch immer) vornehmen. Bündnisse werden ebenfalls erleichtert. Außerdem muss man erst forschen, bis man Unterschiede zwischen den Spezies überbrücken kann (gleich und gleich steht sich immer näher als X und Y), was ich sehr sinnvoll finde.
Ich werde wohl nur noch Diplomacy spielen, weil ich es von den Möglichkeiten und dem Balancing besser / für mich ausgewogener fand.
Insgesamt sind die Gegner schlauer geworden, Rohstoffe fehlen plötzlich (bei mir stets Metall besonders), manche Möglichkeiten sind klar besser (Diplomatie) und der Forschungsbereich ist viel aufgeräumter. Das Spiel ist schwerer geworden. Natürlich nicht unschaffbar, aber herausfordernder. Ich bin noch dabei, mich zu adaptieren, weil ich den Gegner nicht mehr so schnell zerschlagen kann. ;-) Momentan fechte ich ein TEC-TEC-Match gegen eine mittlere KI aus, wo beide Seiten bereits die maximalen Schiffe gebaut und einen absoluten Gleichstand erreicht haben. Bei 2 KI-Gegnern war es außerdem so, dass auch im einfachen Modus in einer heißen Dreieckskampfzone um einzelne Systeme auch ohne das Fehlen einer feindlichen Allianz plötzlich der eine anfing, mein System anzugreifen, während ich eines weiter gerade mit meiner Flotte den anderen Gegner attackiert habe. Diese nette kleine Heimtücke ist mir vorher nie aufgefallen. Man kommt nach meinem Dafürhalten also deutlich mehr ans Nachdenken... und der Rechner raucht (er ist ca. 2 Jahre alt). Meine GT 240 Grafikkarte wird nicht so ganz mit den hunderten Schiffen fertig, aber egal. Kommt halt vor.
Nach dem Inhalt/Vergleich jetzt die sonstige Bewertung:
- Was das mit dem gedruckten Handbuch / Poster sollte, konnte ich mir bis jetzt noch nicht erschließen. Schön, dass beides da ist, aber wieso von der Basisversion? Ich habe einmal durch eine neue Art Angriff eines feindlichen Schiffes oder einer Sternbasis massiven Schaden an meinen Schiffen erlitten (und zwar alle) und weiß bis heute noch nicht, wer oder was das verursacht hat. Ich müsste mal tiefer graben und nach anderen virtuell vorhandenen Manuals Ausschau halten oder einige Theorien ingame überprüfen, aber wieso war das gedruckte nicht gleich ein AddOn-Manual? Wäre viel nützlicher gewesen.
- Die Übersetzung stimmt manchmal nicht ganz. Mehrheitlich ist sie auf dem Level des deutschen alten Basisspiels, aber z.B. die neue Fregatte redet bei mir permanent Englisch. Stört mich nicht, nur es passt halt nicht. Das kommt noch an 2 oder 3 Stellen vor. Vielleicht würde ein Patchen des Games helfen, aber an sich läuft es flüssig. Die gewohnte Qualität aus dem alten Basisspiel halt, wo ich auch nicht herumverbessern lassen musste. Also habe ich mir halt die Registrierung gespart um es irgendwann vielleicht wieder einmal verkaufen zu können.
- Irgendwie ist das alles ja ganz nett, aber vom Hocker gerissen hat es mich jetzt nicht so ganz. Die Sternbasen, die Diplomatiemöglichkeiten und die verbesserte KI sind schön, aber rechtfertigt das soviel Preisunterschied zur normalen Version? Das Spiel ist von 2008! Der Preis für die Trinity Edition ist meines Wissens weitgehend derselbe geblieben, was mich aufgeregt hat. Die englische Version ist daher aus meiner Sicht eine Alternative. Was meine Ausgabe angeht, befinde ich mich jetzt im Zwiespalt. Auf die Basen möchte ich nicht mehr verzichten, aber eigentlich brauche ich vieles nicht unbedingt. Nur gestaltet sich eine Rückkehr aufs Basisniveau nach einem geschmückten Spiel immer schwer. Also werde ich Trinity wohl weiter spielen. Zumindest vorerst um alles auszutesten (und mich noch mehr daran zu gewöhnen).
Man möge mir einige Auslassungen wie den Karteneditor usw. bitte nachsehen, denn ich brauche ihn nicht. Ebensowenig wie z.B. den MP-Modus. Ich habe mich in dieser Rezension auf die Aspekte fokussiert, die mir halt aufgefallen sind und sie zu schildern versucht. Mag sein, dass mancher subjektive Eindruck nicht ganz zutrifft, was ich zu entschuldigen bitte.
Mein Fazit ist jedenfalls, dass ich geteilter Meinung bin und noch teste. Ob es für andere Fans des Spiels in Frage kommt, muss jeder für sich entscheiden. Ich bin dem Teil monatelang hinterhergehechelt um mich danach ein Bisschen zu fragen, wofür denn eigentlich. Manches ist anders oder ein Bisschen besser, aber hätte ich nicht auch ohne die AddOns leben können? Das hängt wohl auch vom Spielertyp ab. Jeder setzt seine Prioritäten anders. 4 Sterne für die Verbesserungen / kleinen Veränderungen.