Diese Orchestersuiten von Sinopoli, die einen Auszug aus seiner Oper "Lou Salome" darstellen, sind eine Hommage an Lou Andreas-Salome. Lou lebte um die Jahrhundertwende 1900, sie kannte Rilke, Nietzsche und Freud persoenlich, wurde von allen sehr geschaetzt und von Rilke und Nietzsche sogar geliebt. Sie war eine unabhaengige Denkerin, Freigeist, aber auch femme fatale: beispielsweise fuehrte das Ende ihrer Beziehung zu Nietzsche zu dessen beruehmt gewordenen Satz: "Wenn Du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht.". Weil Lou nicht einsehen konnte, dass fuer eine Frau um 1900 der Kontakt zwischen Mann und Frau nie derselbe sein konnte wie unter Maennern allein, sie aber ganz im Gegenteil an allen Schriftstellerkreisen und persoenlichen Unternehmungen und spannenden Unterhaltungen teilnehmen wollte, fuehrte ihr Leben immer wieder manchen Mann in Liebesqualen und sie selbst in manche Verzweiflung und Flucht.
Um eben dieses Leben, um Rilke und Nietzsche und um Paul Ree, einen Freund Nietzsches, geht es auch in dieser Oper.
Das Libretto, geschrieben von Dietrich Graewe, mit dem ich das Glueck hatte, einmal persoenlich zu korrespondieren, fasst Auszuege aus Lous Biographie und aus Briefwechseln zu einer mitreissenden Oper zusammen, die jedem Freude machen wird, der sich schon ein wenig mit Lou, Rilke oder Nietzsche beschaeftigt hat. Aber natuerlich ist auch fuer Aussenstehendere die Oper interessant, stellt sie doch eine dramatische Liebesgeschichte dar.
Die Musik ist modern, erinnert an Alban Berg, ich persoenlich habe keinen ganz intensiven Zugang zu dieser Musik erlangt. Dies soll aber nur eine persoenliche Bemerkung sein.
Ein interessanter Auszug aus einer fast vergessenen Oper: sicherlich hoerenswert.